Christoph Peters

Mitsukos Restaurant

Roman
Cover: Mitsukos Restaurant
Luchterhand Literaturverlag, München 2009
ISBN 9783630872735
Gebunden, 415 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Schon während ihrer Schulzeit haben sich der Gelegenheitsschauspieler, -koch und -dichter Achim Wiese und der plastische Chirurg Wolf Erben für japanische Kultur und Küche begeistert. Da entdeckt Achim Wiese, inzwischen Mitte zwanzig, 1992 bei einer Waldwanderung ausgerechnet im rustikalen Vereinsheim der Wanderfreunde Gurschebach e.V. ein japanisches Spezialitätenrestaurant. Achim, von der Entdeckung elektrisiert, ruft umgehend Wolf an, der ganz in der Nähe in einer bekannten Privatklinik angeheuert hat. Gemeinsam beginnen sie, das Lokal und seine Küche zu erkunden: eine erstklassige Küche, wie sich bald herausstellt, betrieben von der schönen und geheimnisvollen Japanerin Mitsuko.
Fortan besucht vor allem Achim immer wieder das merkwürdige Restaurant. Achim gibt sich große Mühe, Mitsuko mit seinem Halbwissen über japanische Kultur, vor allem die Teekeramik, zu imponieren, um ihr näherzukommen. Allmählich wird er von der Gelegenheitsaushilfe zu ihrer rechten Hand, während Wolf immer häufiger mit japanischen Gästen bei opulenten Abendessen ausgelassen feiert. Als Achim sich in einem Geschäft nach einer wertvollen Chawan, einer kunstvoll gefertigten Teeschale, erkundigt, und dabei beiläufig "Mitsukos Restaurant" erwähnt, fällt erstmals das Wort "Yakuza". Kurz darauf bricht tatsächlich ein japanischer Geschäftsmann im Restaurant zusammen und stirbt, was Wolfs berufliche Perspektive nachhaltig verändert. Und Achim kommt zunehmend der Verdacht, dass Mitsukos Geheimnis in Wirklichkeit auf Selbsttäuschung beruht und es Zeit wird, all den Trugbildern endlich eine echte Erfahrung entgegenzusetzen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.04.2009

Höchst angetan schreibt Rezensent Hubert Winkels über diesen Roman, der ihn in eine bizarre deutsch-japanische Welt entführte, und dem auch das "witzige Emblem" auf dem Cover Freude machte. Es gehe um ein deutsches Gasthaus mit einer japanischen Köchin in den achtziger Jahren, und dort sieht sich der Rezensent aufs Schönste an interkulturelle Abgründigkeiten herangeführt. Nichts sei hier je gründelnd, dabei alles trotzdem hoch hybrid und bestechend genau erzählt. Auch die Art, wie japanische Literaturklassiker hier höchst subtil behandelt werden, nimmt Winkels für dieses Buch ein. Am meisten kann Christoph Peters ihn mit seinem Humor faszinieren, der stets genau inszeniere und sich nie über den Stoff hämisch erhebe, was Winkels zufolge nicht nur dem feinen Gespür dieses Autors, sondern auch seiner "kulturellen Kenntnis" und handwerklichem Geschick zu verdanken ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2009

Florian Kessler wirkt durchaus beschwingt von der Lektüre von Christoph Peters Roman "Mitsukos Restaurant". Ist ihm Peters in früheren Texten mitunter "leicht verkniffen" erschienen, so wirkt er in diesem Buch durchweg leicht und heiter, stellt Kessler fest. Mit "steter Komik" beschreibe Peters seinen nichtsnutzigen Protagonisten Achim Wiese, der durch Zufall in einem scheinbar urdeutschen Ausflugslokal ein Kleinod japanischer Kochkunst entdeckt, das von der Köchin Mitsuko beherrscht wird. Mit Amüsement beobachtet Kessler, wie Christoph Peters seinen Protagonisten vom Stammgast zum Hausfreund zum Küchengehilfen der angehimmelten Mitsuko werden lasse. Seine Objektüberschätzung ist indes, wie Kessler anmerkt, kein tieferes Verständnis des Fremden, sondern lediglich "dösbaddeliger Exotismus". Dabei stehe der Autor seinem Thema gegenüber nicht viel anders dar als Achim gegenüber Mitsuko, konstatiert Florian Kessler verschmitzt: Peters nehme sich mit Vorsatz Gegenstände vor, die er mit seinen Mitteln "partout nicht in den Griff bekommen kann." "Ein Genuss" ist diese Lektüre nach dem Urteil des Rezensenten allemal, der Peters' Roman als raffiniert zubereitete "gehobene leichte Kost" empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009

Dieser jüngste Roman des sonst von ihr durchaus geschätzten Christoph Peters ist nach Geschmack von Kristina Maidt-Zinke entschieden zu leichtgewichtig geraten. Mit gutem Willen könne man der Geschichte um den Gelegenheitsschauspieler Achim, der sich glücklos in eine japanische Köchin verliebt und versucht, durch praktiziertes kulturelles Interesse ihre Zuneigung zu erringen, wohl durchaus Zen-Qualitäten wie "Ruhe" und "Askese" zuschreiben, räumt die Rezensentin ein. Ihr sind die Begebenheiten des Buches insgesamt aber zu banal und dazu auch noch allzu langatmig ausgebreitet. Dass sich der Autor in der Haupthandlung auch stilistisch jeglichen Ehrgeiz versagt, findet Maidt-Zinke zusätzlich enttäuschend. Nur in den eingeschobenen kurzen Passagen um den japanischen Fürsten Norishige entwickelt sich so etwas wie "altjapanischer" Charme, insgesamt bleibt aber die Geschichte für ihren Geschmack zu "fade".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2009

Beinahe ins Schwärmen gerät Felicitas von Lovenberg über diesen jüngsten und bisher - im besten Sinne, daran lässt sie keinen Zweifel - leichtesten Roman von Christoph Peters. Um zwei Männer geht es, den der Welt zugewandten Wolf und den eher vergrübelten Achim. Die beiden haben ein gemeinsames Jugenderlebnis, nämlich den gescheiterten Versuch, in einem damals, in den Achtzigern, noch sehr exotischen japanischen Restaurant Sushi zu essen. Von da datiert aber Achims Begeisterung für das Japanische, die in seiner Obsession für das Jahre später entdeckte Restaurant der Japanerin Mitsuko ihren Ausdruck findet. Und nicht nur für das Restaurant, sondern, was den Roman zur Liebesgeschichte macht, auch für Mitsuko selbst. Ganz und gar bewundernswert findet Lovenberg die "Mühelosigkeit", mit der der Autor trotz wenig äußerer Handlung die Spannung hält. So lautet das Urteil denn auch ganz eindeutig: "grandios gelungen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.02.2009

"Ungemein leichthändig", elegant, komisch und sinnlich findet Rezensent Christoph Schröder diesen Roman über die Beziehung eines "gebildeten Taugenichts" zur japanischen Köchin eines provinziellen Ausflugsrestaurants: Ein Verwirrspiel, in dem Schröders Beschreibung zufolge kulturelle Identitäten aufeinanderprallen. Im vorliegenden Fall die deutsche und die japanische. Das titelgebende Restaurant befindet sich, wie wir lesen, in der tiefsten rheinischen Provinz und wird Schröder zufolge zum Schauplatz für das Spiel mit Erotik und kulturellen Exotismen, westlichen Männerphantasien, Begehren und Enttäuschung. Gelegentlich sieht der Rezensent dabei Christoph Peters in "die von ihm selbst aufgeklärte Folklorefalle tappen" und zwei bis drei Seiten in mythisch-wabernd-raunenden Ton verfallen. Aber das kann Schröders Grundsympathie für das Buch ebensowenig trüben wie die "frappierend hohe" Zahl von Interpunktions- und Satzfehlern.
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