Christoph Peters

Entzug

Roman
Cover: Entzug
Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN 9783630877853
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Der weite Weg zurück in die Nüchternheit"Entzug" beginnt mit einer Wodkaflasche auf dem Küchentisch einer dreiköpfigen Familie an einem Montagmittag - und der Frage, wie sie da hingekommen ist. Hat der Erzähler sie allen Ernstes dort vergessen, während Frau und Kind auf dem Spielplatz waren? Am Anfang des Romans steht ein Schriftsteller, der trinkt, um schreiben, denken, fühlen zu können. Der irgendwann nur noch trinkt, um zu trinken, bis zu dem Punkt, an dem die Frage lautet: Trinken und sterben oder aufhören und leben? Er beschließt, sich in eine Klinik einweisen zu lassen. "Entzug" ist ein schonungslos ehrlicher Roman, er handelt von der komplizierten Logistik der Abhängigkeit, vom Betrug an den Menschen, die einem am wichtigsten sind, vom Betrug an sich selbst. Und er erzählt voller Hoffnung vom Weg heraus aus der Hölle der Sucht, zurück in ein Leben, das auch nüchtern wert ist, gelebt zu werden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.04.2026

Rezensent Jan Drees staunt über den neuen autobiografisch geprägten Roman von Christoph Peters, der hier von seiner Alkoholsucht und dem anschließenden Entzug erzählt. Die Schilderungen der Sucht, vom Rausch bis zur Panik, alles zu verlieren, erinnern den Kritiker durch die überschäumende Fantasie gar an Joseph Roths Novelle "Die Legende vom heiligen Trinker". Aber wann hat man je über den Heiligungsprozess gelesen, fragt sich Drees. Dass die Rückfallquote bei über 90 Prozent liegt oder dass Peters schon morgens über 2,3 Promille im Blut hatte, erfährt der Kritiker hier ebenso, wie er von Visiten, Wirsing und Kunsttherapie liest. Für Drees ganz klar einer der "besten Romane dieses Bücherfrühlings", der nicht nur von Trostlosigkeit und Trost erzählt, sondern mit Peters' Veronika auch eine ganz besondere Heldin im Hintergrund zeigt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.04.2026

Rezensent Dirk Knipphals ist schwer beeindruckt und berührt von Christoph Peters' Roman, der auf autobiografischer Basis vom Entzug eines Alkoholikers, Schriftstellers und Familienvaters erzählt. Dass das so zieht, hat für Knipphals mehrere Gründe: zunächst handele es sich um einen "wahnsinnig gut gemachten" Text, der sich bewusst nicht zum literarischen "Glanzstück" aufplustere, sondern über eine sorgsame Dokumentation, die sich an Details geradezu "festzuhalten" scheint, und über authentische Dialoge aus dem Familien- oder Klinikalltag der Leserschaft einen direkten Zugang ermögliche. Literarisch tolle Passagen seien trotzdem dabei, etwa zum "Sichhineinfallenlassen" in Musik von Bach. An anderen Stellen fallen die Beschreibungen wiederum sehr zurückhaltend aus, wie etwa die Liebe zum zweijährigen Sohn, was den Kritiker dadurch nur umso mehr berührt. Auch, wie das Suchtleben in all seiner "Erbärmlichkeit" und immer gleichen Logik greifbar wird, findet der Kritiker gelungen dargestellt; das Wort "Suchtdruck" prägt sich ihm hier besonders ein. Besonders beeindruckt ihn aber der mit dem Entzug einhergehende schmerzhafte Loslösungsprozess von einem Autoren-Ego mitsamt glänzend beschriebener "Grandiositätsvorstellungen", die zusammen mit dem Alkohol wegfallen. Für Knipphals tut sich hier der trockene Alkoholiker als interessante literarische Figur unserer Zeit hervor, ohne einen gesellschaftskritischen Anspruch zu erheben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.03.2026

Ein großer Roman über Alkoholabhängigkeit ist Christoph Peters gelungen, befindet der Rezensent Bernhard Heckler, völlig gleichgültig, ob der Stoff nun autobiografisch fundiert ist oder nicht. Der Tagesablauf seines Protagonisten ist "der Logistik des schwersten Alkoholismus unterworfen", es geht darum, wie er seinen Stoff beschafft, wie er ihn vor seiner Familie versteckt, wie viel er trinken muss, um mit dem Zittern aufzuhören, was sich Heckler in Peters' Sätzen fast körperlich als schwere Notlage vermittelt. Der Alkoholiker offenbart sich seiner Familie, geht in den Entzug, davon erzählt der Autor mit "dokumentarischer Wucht", zum Beispiel, wenn der langsam nüchtern Werdende so stark zittert, dass er nichts mehr essen kann oder wenn er die Diagnose einer schweren Fettleber gestellt bekommt, so der Kritiker. Das Buch haut ihn mit seiner lebensnahen Darstellung der Sucht im positiven Sinne ziemlich um, resümiert er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2026

Beeindruckt ist Rezensentin Sandra Kegel von diesem Roman über Alkoholismus, der sich allen Klischees von romantischem Säufertum, Heiligen Trinkern und so weiter widersetzt. Offensichtlich beruht der Roman auf eigenen Erfahrungen des Autors, informiert uns der Kritiker. Im ersten Teil geht es sehr präzise um das Leben eines Alkoholikers im Endstadium, die Hauptfigur, ein Schriftsteller aus dem Rheinland, der in Berlin lebt, trinkt nur noch, um den Pegel zu halten, alles dreht sich um die Beschaffung von Alkohol und das Verstecken der Krankheit. Äußerst ernüchternd ist schon dieser Teil, aber erst recht, was folgt: Zwei Drittel des Buches widmen sich dem Entzug, zu dem sich die Hauptfigur wie durch ein Wunder entschließt, und der Klinikaufenthalt wird gleichfalls nüchtern, quasi protokollarisch beschrieben, bemerkt Kegel. Gerade, dass Peters auf Genauigkeit setzt, anstatt ein literarisches Feuerwerk zu zünden, imponiert ihr. Hier wird Alkoholismus in seiner ganzen bitteren Banalität beschrieben, und zwar ohne Moralkeule, meint die von der Lektüre im besten Sinne mitgenommene Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2026

"Trinken" und "Nicht-Trinken" - aus diesen zwei Teilen besteht Christoph Peters` Erzählung und aus diesen Teilen besteht wohl auch sein Leben, erklärt Rezensent Elmar Krekeler. Denn diese schonungslose, erschütternde und zugleich anrührende Entzugsgeschichte ist im Grunde ein nur leicht fiktionalisierter Bericht vom Leben des Autors mit dem Alkohol und ohne den Alkohol; einer Kindheit und Jugend, die in den Alkoholismus führten; eines Studiums, das den Alkoholismus romantisierte; eines lebensmüden Künstlerdaseins, das aus dem Alkoholismus erwachsen ist und schließlich eines Entzugs, der in die Ernüchterung, in die Selbstanalyse, in die Aufarbeitung und vielleicht, so glaubt der Rezensent hoffen zu dürfen, in ein neues Leben führt: Das Leben eines Mannes, "der er", der Erzähler, "nie war".