Herausgegeben von Jan Philipp Reemtsma, Hans und Johanna Radspieler. Wer ist der ehrfurchtgebietende Greis, der als Agathodämon, als "guter Geist", in einer nur von Ziegenhirten bewohnten Gegend auf Kreta Wunderdinge bewirken soll? Hegesias, der die Region als Forscher bereist, glaubt weder an die alten Götter noch an Dämonen, doch als der fast Hundertjährige plötzlich vor ihm steht, wird er so in seinen Bann gezogen, daß er sich dessen nicht mehr so sicher ist: Ist das ein Mensch oder ein Gott? Bald wir ihm klar, daß er den sagenumwobenen Apollonios von Tyana, den Gründer einer einflußreichen pythagoreischen Sekte, vor sich hat, der von den einen als Heilsbringer verehrt wurde, bei weniger Leichtgläubigen aber als Scharlatan verschrien war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.03.2009
Angetan zeigt sich Hannelore Schlaffer von Christoph Martin Wielands Roman "Agathodämon" aus dem Jahr 1799, der nun in einer neuen Ausgabe vorliegt. Bei aller Harmonie des skizzierten Weltbilds, bei aller Harmonie von Sprache und Rhythmus, die das Buch auszeichnet, sieht sie darin eine ebenso polemische wie poetische Streitschrift gegen das Christentum, einen literarischen Beitrag des Aufklärers Wieland zum damaligen Atheismusstreit. In der atmosphärischen Lebensbeichte des 96-jährigen Agathodämon findet sie eine Fülle von Reflexionen über die Entstehung von Sagen und Wundern, über Wahrheit und Betrug in Religion und Politik, die auch in der "gegenwärtigen Epoche der religiösen Ratlosigkeit und Bastelei eine Aufhellung des Verstandes" bewirken können. Allerdings verschweigt sie nicht, dass Wielands Werk, um wirklich verstanden zu werden, eine Bildung voraussetzt, "wie sie kaum mehr zu finden ist". In diesem Zusammenhang lobt sie das Vorwort von Jan Philipp Reemtsma, die Kommentare zu einzelnen Stellen und den Glossar, die dem Leser "über viele Verständnisschwierigkeiten" hinweg helfen.
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