Die immer neu aufflammende Diskussion, wie Rechtsextremismus zu bekämpfen sei, hat lange Tradition. Christoph Jahr untersucht, wie zwischen 1879 und 1960 antisemitische Diffamierungen geahndet wurden. Welche Reaktionen löste die jeweilige Ahndung in der Gesellschaft aus? Erkennbar wird, dass antisemitische Agitation mal als Straftat wahrgenommen wurde, mal lediglich moralische Empörung nach sich zog. Im Nationalsozialismus war antisemitische Agitation sogar das normativ erwünschte Verhalten. Christoph Jahr beleuchtet außerdem, inwieweit es notwendig bzw. erwünscht schien, die angefeindete Bevölkerungsgruppe vor Angriffen zu schützen, und wenn ja, warum und mit welchen Mitteln das geschehen sollte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2012
Bittere Aktualität gewinnt das Thema des Berliner Historikers Christoph Jahr vor dem Hintergrund des Zwickauer Nazi-Terrors, meint Sabine Fröhlich. Jahrs Buch thematisiert den Zusammenhang zwischen juristischer Behandlung und Wahrnehmung des modernen Antisemitismus seit dem frühen Kaiserreich. Laut Fröhlich gelingt es dem Autor durch eine fruchtbare Kombination aus Rechtsgeschichte und Antisemitismusforschung, Denk- und Projektionsmuster herauszuarbeiten, die, wie der Autor nach Fröhlichs Bekunden deutlich zu verstehen gibt, zur Verschärfung der Lage in der Weimarer Republik beitrugen. Die "sorgfältige" und "gut lesbare" Studie hat die Rezensentin ganz offensichtlich beeindruckt.
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