Damals, mit Leonhard Hagebuchers waghalsigen Afrika-Expeditionen, fing alles an. Sein Urenkel Fritz Binder, Postbote aus dem Bergischen Land, folgt ihm, von den Erzählungen seiner Mutter auf die Spur gesetzt, mit Begeisterung nach. Zunächst nur in Gedanken, mit Hilfe von faszinierenden Wortketten und geschönten Erinnerungen; doch dann stellt auch Fritz sich, angetrieben von seinem besten Freund, einer ganz realen Herausforderung: Der sagenumwobene Kibo ruft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2007
Christof Hamann verknüpft in seinem dritten Roman über die Erstbesteigung des Kilimandscharo im damaligen Deutsch-Ostafrika historische Fakten mit der Fiktion des Usambaraveilchen-Entdeckers Leonhard Hagebucher und seines Urenkels und schreibt so den ersten "Afrikafamilienroman", hält Martin Halter fest. Insbesondere die groteske Schilderung eines "Kilimandscharo Benefit Runs 2006", an dem der besagte Urenkel zur Rettung der letzten afrikanischen Gletscher und für den weltweiten Frieden teilnimmt, fand der Rezensent sehr amüsant, auch wenn ihn der Stakkato-Stil, mit dem der Autor die Gedanken des zunehmend erschöpften Läufers festhält, zuletzt doch eher angestrengt hat. Am liebsten aber hat Halter die "tragikomische" Geschichte des Urgroßvaters gelesen, der laut Autor dann doch um die Entdeckerwürden des Usambaraveilchens geprellt wurde.
Der Urgroßvater Leonhard Hagebucher ist die legendäre Figur in der Familiengeschichte des Postboten Fritz Binder, des wenig heldenhaften Helden von Christof Hamanns Roman "Usambara". Hagebucher war auf Expeditionen in Afrika unterwegs, hat den Kilimandscharo bestiegen und das Usambaraveilchen entdeckt, wenngleich diese Entdeckung fälschlicherweise einem Engländer zugeschrieben wurde. So zumindest wird in der Familie erzählt. Als jedoch Fritz Binder sich selbst nach Afrika aufmacht - was freilich in heutigen Zeiten eine "organisierte Massenveranstaltung" ist -, beginnt die Legende zu wanken, werden die Zweifel am Urgroßvatermythos stärker. Was aus diesem Roman zu lernen ist, ist, so der Rezensent Tobias Timm, wohl dies: Die Geschichten, die wir uns als Geschichte erzählen, sind zum guten Teil immer Fiktion. Diese Fiktion löst sich auf gegen Ende, auch die Sprache "gerät ins Delirium". Das "ermüdet" den Rezensenten zuletzt doch, bis dahin aber scheint er Hamann sehr gerne gefolgt zu sein.
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