Eine deutsche Liebesgeschichte zwischen 1930 und 1990. Am Anfang: der Bahnhof Berlin-Friedrichstraße, Sinnbild von Abriss, Umbau, Grenze und Übergang. Hier erblickt an einem Septembertag des Jahres 1930 ein Reisender aus dem Zugfenster eine schmale weibliche Gestalt. Der Mann ist ein erfolgreicher Architekt der Moderne, dem Lebensgenuss verschrieben. Das Mädchen, mit heller Stirn und heilenden Händen, das ihm plötzlich im Abteil gegenübersitzt, steht am Beginn seines Wegs. Die Reise fühhrt beide nach Ostpreußen und wird der Anfang einer Liebe, die allen Prüfungen der finsteren Jahre standhält. Ostpreußen, Königsberg, Halle und schließlich wieder Berlin sind ihre Schauplätze. Im Nachkriegs-Berlin schafft der Architekt eine neue und letzte Karriere als Miterbauer der Stalinallee. Die neue Zeit verspricht Glück - und ist doch die Zeit der Trennung und der Teilung. Durch Berlin streifend, entdeckt die Erzählerin Spuren ihrer Geschichte und versucht eine späte Klärung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2001
Franz Haas hat der Roman vor allem seiner sprachlichen Vielfalt wegen beeindruckt. In ihrem "souveränen Eigensinn und jener Skepsis gegenüber den glatten Wörtern, die heute auszusterben scheint", erinnert ihn die Autorin an Uwe Johnson und Christa Wolf. In unzähligen Bildern, elliptisch und fragmentarisch, mit syntaktischen Windungen und taktischen Fragezeichen taste sich die Ich-Erzählerin an diese "Familiengeschichte quer durch ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte" heran. Umständlich, meint Haas, aber längst nicht so kompliziert wie das Leben selbst. Der abschließende Hinweis, dass der Roman weder Belehrung noch verbitterte Abrechung sei, macht die Besprechung zu einer glatten Lektüreempfehlung.
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