Als dezidierter Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte des Politischen fragt das Buch nach der Inanspruchnahme von Kunst zur Herrschaftsrepräsentation, nach Ritualen und Zeichensystemen der Macht am französischen Königshof in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Kunstförderung und Herrschaftshandeln werden hierbei als strukturhomologe Strategien eines (früh)modernen Politikmodells analysiert. Die Entscheidung für einen spezifisch modernen Kunststil, den italienischen Manierismus, wurde für den französischen König François I. zum Politikum: Er schuf sich in Fontainebleau ein Reich mit künstlerischen Mitteln, über das er jederzeit im Sinne der Deutungshoheit als Herrschaftsakt verfügen konnte. Was könnten reizvollere Quellen für die Erschließung der Spezifika von Manierismus und Herrschaftspraxis am französischen Hof im Kontext des europäischen Mächtesystems nach 1500 sein?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2009
Große Anerkennung zollt Rezensent Caspar Hirschi diesem Buch über die Kunstpolitik Franz I., das Christine Tauber vorgelegt hat. Er versteht das an der Grenze von Kunstgeschichte und Geschichte angesiedelte Werk weniger als eine "kunsthistorische Gesamtschau" der Kunstpolitik des französischen Königs, sondern eher als eine Reihe von Einzelstudien, die bestimmte Aspekte seiner Kunstpolitik in den Blick nehmen. Zentral scheint ihm die minutiöse Rekonstruktion der Begegnung von Franz I. und Kaiser Karl V. 1539, bei der Franz den Kaiser durch seine Grande Galerie mit dem Bilderzyklus des italienischen Malers Rosso Fiorentino führte. Ein Kunsterlebnis, das - wie die Autorin für Hirschi überzeugend zeigt - den Kaiser offensichtlich überforderte. Hirschi hebt in diesem Zusammenhang Taubers Deutung der Großen Galerie als eine "Form öffentlicher Geheimnispolitik" sowie ihr Verständnis der Manieristischen Kunst dieser Zeit als "ironisch, intellektualistisch, parodistisch und hermetisch" hervor. Der an originalsprachlichen Zitaten reiche Band dürfte nach seiner Einschätzung "Liebhabern des Manierismus" auch wegen der zahlreichen Neologismen, Fremdwörter und Sprachbilderr sowie der "exquisiten Ironie" der Autorin Freude bereiten.
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