Christine Tauber

Ludwig II.

Das phantastische Leben des Königs von Bayern
Cover: Ludwig II.
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406651977
Gebunden, 368 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Ludwig II. (1845-1886) gehörte zu den glücklosen Herrschern des 19. Jahrhunderts, die an der Aufgabe scheiterten, in Zeiten politischer Modernisierung Monarchen sein zu müssen. Das Buch schildert anschaulich, wie der lichtscheue König versuchte, sein Leben mit Hilfe von Idealvorstellungen zu meistern, die ihm Richard Wagner einflüsterte. In Schlössern wie Neuschwanstein, Linderhof oder Herrenchiemsee mit ihren mittelalterlichen, französisch-absolutistischen, byzantinischen oder auch orientalischen Architekturen schuf er sich eine entrückte Gegenwelt zur politischen Realität. Nur in dieser selbstgeschaffenen Utopie konnte er noch als legitimer Alleinherrscher regieren. Christine Tauber gelingt es, die faszinierenden und verstörenden Phantasien des Königs wieder lebendig werden zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.01.2014

Ausführlich zeichnet Christian Thomas das Bild des größenwahnsinnigen Monarchen nach, das Oliver Hilmes und Christine Tauber in ihren jeweiligen Biografie von Ludwig II. malen. Pompös regierte der schwärmerische Lieblingskönig der Bayern an allen Realitäten vorbei und plünderte für seine in Stein gehauenen Märchenfantasien nicht nur die Königsschatulle, sondern auch die Staatskassen, so dass die vielen Verschwörungen der königlichen Berater und Ärzte gegen Ludwig durchaus echter Verzweiflung entsprangen - der Rezensent möchte sogar "Gewissenhaftigkeit" als Motiv gelten lassen. Die beiden Biografien unterschieden sich Thomas' Darstellung zufolge in der Nuancierung. Hilmes legt offenbar mehr Gewicht auf die despotischen Züge des Königs, Tauber arbeitet mit Kantorowiczs "Zwei Körpern des Königs". Und was Ludwigs Verhältnis zu Richard Wagner betrifft, scheinen sich beide nicht ganz klar darüber zu sein, wer von beiden wen dirigiert hat. Empfehlen möchte er scheint's beide Bücher.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2013

Als erschütterndes Tagebuch einer gescheiterten Existenz liest Marcus Spangenberg Ludwigs Königschlösser. Darin folgt er der Kulturwissenschaftlerin Christine Tauber bei ihrem Versuch, das Zusammenwirken von Kunst und Politik am Beispiel Ludwig/Wagner zu exemplifizieren. Auch wenn Spangenberg den Ansatz nicht neu findet, bietet der Band ihm doch spannende und wichtige Deutungen von Wagners kunsttheoretischen Schriften und ihrem Einfluss auf Ludwigs Denken, sowie eine Ausweitung der von der Autorin in der Tradition Jacob Burkhardts begriffenen Interpretation originaler Quellen in Bezug auf sämtliche Bauten des Königs und ihren zeithistorischen Kontext. Für Spangenberg wird so sichtbar, wie intensiv sich Ludwigs Wagnerbegeisterung tatsächlich gestaltete und wie sie sich in der Architektur realisierte. Dass sich die Autorin mitunter in ihrer Argumentation verliert, wie Spangenberg schreibt, ist für den Rezensenten ein Manko der Arbeit.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013

Fortgeschrittenen kann Rezensent Rudolf Neumaier dieses Buch über Ludwig II. empfehlen. Die Kunsthistorikerin Christine Tauber untersucht darin, wie sich die Lebens- und Herrschaftsideen Ludwigs II. in der von ihm geförderten Kunst spiegelten. Dafür nimmt sie sich Jacob Burckhardt zum Vorbild und die Psychoanalyse zum Werkzeug. So erfahren wir, dass Ludwigs Verehrung für Marie Antoinette aus dem Hass auf seine Mutter erwuchs. Oder dass Cosima und Richard Wagner den König in der Verachtung für sein Volk bestärkten, so dass Ludwig am Ende der "Utopie totaler Autokratie" anhing. Ob man dieser Interpretation folgt oder nicht, am Ende steht für den Rezensenten fest, dass Ludwig "allemal" ein großer Künstler war.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.11.2013

Detlev Claussen zeigt sich hingerissen von Christine Taubers Buch über Ludwig II. Wer davon Kitsch und Klatsch erwartet, wird seines Erachtens enttäuscht sein, denn Küchenpsychologie und Ludwigmythos werden hier nicht gepflegt. Stattdessen gelingt es der Autorin zur Freude des Rezensenten, das Leben Ludwigs, seinen Wahnsinn aus seinen Bauten, aus seinen Schlössern Neuschwanstein und Herrenchiemsee mit viel Liebe zum Detail verständlich zu machen. "Touristenattraktionen von heute", so Claussen, "sind Zeugnisse eines gescheiterten Großversuchs der Wiederverzauberung der Welt". Lobend äußert er sich auch über die Komposition und die liebevolle Gestaltung des Buchs, das selbst ein "kleines Kunstwerk" ist.