Löwenbabys sind süß und flauschig und zugleich Symbol für Potenz und Überlegenheit. Bis in die 80er gaben sie zusammen mit Fototapete und Baumstamm ein beliebtes Motiv ab für Souvenirs aus den heimischen Safariparks. Heutzutage erscheinen uns diese Bilder höchst befremdlich. Bei der Räumung der großelterlichen Wohnung stößt Christina Wessely auf eine mehr als dreißig Jahre alte Fotografie, die sie mit ihrem Vater und einem jungen Löwen im Safaripark Gänserndorf bei Wien zeigt - sie beginnt zu recherchieren und fördert Erstaunliches zutage. Diese kleine Kulturgeschichte der Löwenbabyfotografie ist das Porträt eines pervertierten Nischengeschäfts und zugleich eine Analyse des sich wandelnden Verhältnisses zwischen Mensch und Tier.
Von ihm gibt es kein Löwenbabybild, erzählt Rezensent Michael Pilz, und das obwohl er mitten in der Blütezeit dieses deutschen Trends aufgewachsen ist. Ende der Fünfziger bis Anfang der Neunziger war es gang und gäbe, die Kinder im Zoo mit einem Löwenbaby auf dem Schoß fotografieren zu lassen. Begonnen hat die Geschichte der Raubkatzenfotos aber bereits viel früher - mit Hermann Görings Liebe zu Löwen. Dessen Tochter Edda Göring war das erste Mädchen in Deutschland mit einem Löwenbaby. Das alles weiß Pilz aus Christina Wesselys Essay "Löwenbabys". Auf 70 Seiten entwickelt die Historikerin und Kulturwissenschaftlerin eine kurze Kulturgeschichte der Löwenbildfotografie, in der sie Anfänge, die Entwicklung und die gesellschaftspsychologische Bedeutung dieser fotografischen Beziehung zwischen Mensch und Löwe erkundet, erfahren wir. Dass der Rezensent das Buch gern gelesen hat, davon zeugen die persönlichen Erinnerungen und Reflexionen in seiner Rezension.
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