Christiane Tramitz

Unter Glatzen

Meine Begegnungen mit Skinheads
Cover: Unter Glatzen
Droemer Knaur Verlag, München 2001
ISBN 9783426272428
Gebunden, 317 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Die Verhaltensforscherin Christiane Tramitz führt im Rahmen einer Studie eine Reihe langer und intensiver Gespräche mit den "Glatzen". Und das Unerwartete geschieht: Sie vertrauen sich ihr an. Mit provozierendem Stolz erzählen die Skins von ungeheuerlichen Verbrechen und Misshandlungen, die sie scheinbar ohne jede Gefühlsregung begangen haben. Hin und her gerissen zwischen Entsetzen, Abscheu, professionellem Interesse und einer Art unheimlichem Bann beobachtet die Wissenschaftlerin schon bald kleine, fast unmerkliche Veränderungen an sich. Alpträume suchen sie heim, ihre Freunde, sogar ihre Kinder werden ihr fremd, wie Menschen aus einer unwirklich heilen Welt ...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.07.2001

In einer detaillierten Rezension setzt sich Hans-Volkmar Findeisen mit diesem "Feldtagebuch" auseinander, das seiner Ansicht nach "schonungslos, schonungslos ratlos und wenig hilfreich" ist. Auf der wissenschaftlichen Grundlage eines 38 Seiten umfassenden Fragewerkes begebe sich die Autorin auf die Suche nach den Ursachen rechter Gewalt bei (ausschließlich männlichen) Jugendlichen. Dabei setze sie gegen die "scheinbare Objektivität und Operationalisierbarkeit der Statistik" ihr subjektives Empfinden: "Es ist die Perspektive einer besorgten Mutter, die die Wissenschaftlerin einnimmt", meint Findeisen. Der Rezensent, selbst schwer getroffen von der im Buch beschriebenen Initiation der Autorin ins rechte Milieu, mag Tramitz jedoch nicht darin folgen, dass eine Kindheit aus Liebesentzug, Gewalt, Aggression, Hass etc., "zwangsläufig" die rechtsextreme Entäußerung sucht. Zwangsläufig ist nach Ansicht des Rezensenten gar nichts. Auch die "gängigen Versuche, das Glatzenproblem politikwissenschaftlich auszudeuten" findet er wenig hilfreich. Der Autorin fehle es an der Distanz einer Wissenschaftlerin, aber gerade der subjektive Fokus, der die "starren wissenschaftlichen und politischen Routinen" aufbreche, tue Not, schließt der Rezensent.

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