Anfang der fünfziger Jahre lebte das junge Grenzwächterehepaar Schmid, beide aus dem Berner Worblental stammend, mit seinen zwei Knaben zuhinterst in der Ajoie an der Grenze im Weiler Les Bornes, der auf Deutsch "Die Grenzsteine" hieß. Die Welt von Les Bornes, die erinnert, erfunden und erzählt wird, eine Welt kurz nach dem Krieg und kurz vor dem großen Aufschwung, ist voll Grenzen. Sichtbar, wenigstens streckenweise, ist nur die Landesgrenze. Dennoch sind die anderen nicht weniger fühlbar, zum Beispiel jene zwischen Bernern und Jurassiern, zwischen Deutsch und Welsch, zwischen katholisch und protestantisch, zwischen Männern und Frauen, zwischen Erwachsenen und Kindern. Einige lassen sich leicht überschreiten, andere nur mit Mühe oder gar nicht. Die Welt von Les Bornes ist ein stilles, abseitiges Paradies ohne Ausweg. Mitten in dieser Welt erwacht ein Kind zur Sprache, zum Begreifen und zum Ahnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2002
Der B. En. zeichnende Rezensent zeigt sich überaus angetan von diesen Erinnerungen an eine Kindheit in einem abgeschiedenen, grenznahen Stückchen Schweiz. Die sprachliche Vielfalt des "Dialektologen und Volkskundlers" Christian Schmid hat den Rezensenten dabei ebenso gefesselt wie die Erkenntnis des Kindes, dass die Grenze nicht nur "Rand", sondern zugleich auch "Übergang" ist, dessen Nähe "Fluchtwünsche" aus dem stillen Winkel nährt. Auch die sensibel beschriebenen kindlichen Beobachtungen des Alltags tragen in nicht unerheblichem Maße zum positiven Urteil des Rezensenten bei, der das Buch als "eine kleine Trouvaille der unaufgeregten Art" lobt.
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