Der Name des Psychotherapeuten Paul Dubois (1848-1918) ist aus der modernen psychiatrischen und psychotherapeutischen Literatur völlig verschwunden, und seine Theorie und Praxis figuriert in keinem Lehrbuch mehr. Zu seiner Zeit war er aber europaweit bekannt, und seine Werke wurden immer wieder zitiert. Dubois wandte sich von der damals praktizierten rein somatischen Medizin ab und entwickelte eine Behandlungsweise, die als Persuasionsmethode bekannt wurde und einen unglaublichen Publikumserfolg hatte. Gestützt u.a. auf den schriftlichen Nachlass Dubois', darunter die bisher unveröffentlichte Autobiografie, verfasste Christian Müller eine detaillierte Darstellung von Dubois' Leben und Werk. Seine Theorie und Praxis, namentlich die Persuasionsmethode, die schon zu seinen Lebzeiten heftig kritisiert worden ist, werden einer kritischen Prüfung unterzogen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2002
Klaus Ernst findet dieses Buch über den Schweizer Paul Dubois, einen frühen Pionier der Psychotherapie, hoch interessant - gerade auch vor dem Hintergrund, dass es in Dubois' Biografie einige Parallelen zur beruflichen Entwicklung von Sigmund Freud gibt. Allerdings habe die von Dubois vertretene "Persuasionstherapie" heutzutage für die psychoanalytische Praxis keine Bedeutung mehr. Dafür waren seine Ansichten einfach nicht zeitgemäß genug: "Die paternalistische Haltung Dubois' (war) ganz einem Erziehungsideal verhaftet, das damals schon abzublassen begann". Seine viktorianische Sexualmoral war da nach Meinung des Rezensenten auch nicht gerade hilfreich. Lediglich der von Dubois propagierte "Sokratische Dialog" hat in den Augen des Rezensenten noch Potential für die heutige Psychoanalyse. Doch ungeachtet der Frage nach der Aktualität von Dubois Lehren ist es dem Autor Christian Müller nach Ernsts Meinung "ein differenziertes Bild von Leben, Werk und Ausstrahlung dieser faszinierenden Persönlichkeit" gelungen.
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