Während Holocaust und Judenverfolgung seit Jahrzehnten ihren berechtigten Platz besetzen, haben wir vergessen, die Soldaten, die auf deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben, zu fragen, wie das alles wirklich war im Krieg. Ein Versäumnis, das Ende der 1960er-Jahre seinen Anfang nahm, als rebellische Studenten damit begannen, ihre Elterngeneration pauschal als Nazis zu verdammen.Alle bisherigen Versuche einer differenzierten Betrachtung unserer dunkelsten Geschichte scheiterten. Die Legende einer sauberen Wehrmacht ist zur Legende einer verbrecherischen Wehrmacht verkommen. Dabei haben historische Erkenntnisse nie bezweifelt, dass nur ein geringer Teil der Wehrmachtssoldaten an Kriegsverbrechen und Holocaust beteiligt war. Wenn es gelingt, dies anzuerkennen, können wir den Blick auf unsere Vergangenheit erweitern und uns selbst besser verstehen lernen. Wer weiß denn schon, wie es sich anfühlte, in einem Jagdflieger abgeschossen zu werden und allein im Mittelmeer zu treiben? Wie ertrugen unsere Väter und Großväter die qualvolle Hitze in Afrika oder unerträgliche Kälte und Hunger im Kessel von Stalingrad?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.08.2020
Werner Bührer bedauert, dass Christian Hardinghaus, wie er findet, seine Zeitzeugeninterviews in den Dienst einer einseitigen Sicht auf das Treiben der Wehrmacht und der Soldaten im Zweiten Weltkrieg verwendet. Ein weniger tendenziöser Blick auf den Soldatenalltag hätte Bührer besser gefallen, auch wenn er Hardinghaus ausdrücklich keinen Geschichtsrevisionismus unterstellen möchte. Davon abgesehen scheint Bührer der Autor in seinen Gesprächen aber zum Beispiel anschaulich herauszuarbeiten, wie beschwerlich es nach einem Weihnachtsurlaub war, wieder in den Kessel von Stalingrad zu gelangen.
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