Aus dem Französischen von Erika und Karl A. Klewer. Nichts tut der kleine Han Gan lieber als zeichnen - am allerliebsten Pferde, die so lebendig wie möglich aussehen sollen. Mit der Zeit wird er ein solch berühmter Maler, dass sogar der Kaiser auf ihn aufmerksam wird. Bald schon munkelt man erstaunliche Dinge über ihn. So heißt es, seine Pferde überträfen die Natur, sein Zauberpinsel erwecke sie gar zum Leben ... Und tatsächlich entspringt eines Tages eines seiner Pferde der Leinwand und gewinnt als unbesiegbares Schlachtross alle Kämpfe. Die Geschichte des Malers Han Gan aus dem 8. Jahrhundert hat Chen Jianghong zu diesem Bilderbuch inspiriert. Dieser lebte in China und malte ausschließlich Pferde. Wie Han Gan malte auch Chen seine Bilder auf Seide. So gehört seine Bilderbuchkunst zum Außergewöhnlichsten, was es derzeit auf diesem Bereich zu sehen gibt.
Hans ten Doornkrat staunt über dieses Bilderbuch: Es habe die Kunst zum Thema und sei selbst ein Kunstwerk, freut er sich über die Illustration von "Han Gan und das Wunderpferd". Absolut gelungen sei das Buch nicht nur, weil Chen Jianghong seine Originale auf Seide malt, sondern auch, weil er die in der buddhistisch geprägten Kunst so bedeutsame Spannung zwischen Leere und Detailliertheit gekonnt auf die Seitenfolge übertrage. Auch die Typografie nehme den Rhythmus auf. Erzählt wird die Geschichte von Han Gan, der schon als Kind leidenschaftlich gerne malt, später für seine Pferdebilder so bekannt wird, dass der Kaiser ihn zu sich bittet. Auf die Frage, warum er nur angebundene Pferde male, antwortet Han Gan, er wolle nicht, dass sie ihm wegliefen. Es geht also nicht nur um Können, sondern um Natur als Ideal der Kunst, folgert der Rezensent. Spätestens im Anhang erfährt dann der Leser, dass Han Gan wirklich existierte und ein chinesischer Maler des 8. Jahrhunderts war. Für den Rezensenten entzaubert diese Information nicht das Buch, sie verstärkt vielmehr das Staunen.
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