Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2005
Dietmar Daths Besprechung von Charles Stross' neuem Science-Fiction-Roman "Singularität" lässt sich zutreffend nur als Totalverriss beschreiben. Es geht in dem Buch um eine Geheimagentin, die in einem entlegenem Winkel des Universums eine zwar technologisch fortschrittliche, ansonsten aber repressive, kapitalistische und militaristische Großmacht revolutioniert, wie Dath den Plot wiedergibt. Am Ende bringe eine Wundertechnologie, mit der man sich Sachen einfach wünschen könne, die Lösung. Der Rezensent regt sich darüber auf, dass Stross sich "unbekümmert" und "gedankenlos" in die Tradition von Science-Fiction-Autoren wie Barry Malzberg oder Theodore Sturgeon zu stellen versuche, deren literarische Produktion zu gewinnbringenden Konflikten zwischen technophiler Weltsicht und "politisch-ästhetischen Programmabsichten" geführt hätten. Stross hingegen beziehe unreflektiert Position gegen "Rassismus, Sexismus und alle Unarten des liberalen Wertekanons" und für die Rechte von "Frauen, armen Leuten und anderen putzigen Tierchen", ohne dass die Ursachen oder Hintergründe von Missständen hinterfragt würden, zürnt Dath. Er wirft dem Autor vor, soziale und moralische Errungenschaften der letzten Jahrzehnte in "aufwandsarme Ornamente" zu verwandeln und "unverbindlich" für seine zweifelhaften literarischen Ambitionen zu missbrauchen.
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