Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Wenn Dichter aus ihrem Wolkenkuckucksheim herabsteigen und sich mit ihrer Umgebung beschäftigen müssen, entstehen Berichte, wie man sie hier lesen kann: Als der Peruaner César Vallejo 1923 nach Paris kam, verwirklichte er einen Traum - die "Alte Welt" kennenzulernen. Tatsächlich sollte er seine Heimat bis zu seinem Tod 1938 nicht mehr wiedersehen. Seinen Lebensunterhalt in Europa verdiente er sich als Korrespondent lateinamerikanischer Zeitungen. Und er kam herum: Auf seinen Reisen kreuz und quer durch den Kontinent, zwischen Russland auf der einen und Spanien auf der anderen Seite, und immer wieder in Paris, entstanden diese Texte. Vallejo war ein scharfer Beobachter von für ihn fremden und seltsamen Menschen und Ereignissen. Und ein Dichter, dem ein Gespür für Wahnwitz und Fantastik einen ganz neuen Blick auf überraschend aktuell und vertraut wirkende europäische Themen erlaubt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2018
Rezensentin Katharina Teutsch entdeckt das Verbindende in den von der Vielfalt und dem Anarchismus eines freien Radikalen geprägtenTexten des Lyrikers und Flaneurs César Vallejos. Was der Autor zwischen 1923 und 1930 im politischen Asyl in Paris, Madrid und Moskau erlebt und notiert, etwa zum Pariser Automobilsalon, zum Verhältnis von Neuer und Alter Welt, Orient und Okzident oder zum Kommunismus, scheint ihr weltanschaulich pazifistisch und von einer Idee der Globalisierung ausgerichtet, die heutige Verhältnisse vorwegnimmt. Stilistisch flott bietet ihr der Band ein interessantes Themenspektrum aus den 1920er Jahren, ferner durchaus auch Klatsch und Satire.
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