Aus dem Spanischen übersetzt von Klaus Laabs. Alles beginnt mit einem Erdbeereis, das so widerlich schmeckt, dass es dem kindlichen Erzähler buchstäblich im Halse stecken bleibt. Sein Vater bringt den Eismann kurzerhand um. Ein Mord, der eine Kette von Ereignissen in Gang bringt, die in ihrer schicksalhaften Unvermeidbarkeit eine groteske Tragik entwickeln. Die verstörende und unentwirrbare Ebenenverschiebung treibt die Erzählung in hohe Geschwindigkeit voran. Das Karussell kindlicher Boshaftigkeiten ruft auf geniale Weise die wundersame Welt der Heranwachsenden und deren brutale Gewalt in Erinnerung. Nachdem der Vater durch eine bewusste Falschaussage des Erzählers statt zu 15 zu 25 Jahren Haft verurteilt wird, kommt es zu einer letzten Wendung, als die Ehefrau des Eismanns ihren Auftritt bekommt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.06.2015
Ralph Hammerthaler beginnt seine Besprechung von César Airas Novellen mit einer persönlichen Anekdote darüber, wie ihm ein Buch des argentinischen Autors einst eine Peinlichkeit ersparte. Auch aus diesem Grund scheint sich der Kritiker besonders darüber zu freuen, dass drei von Airas Kurzromanen nun den Auftakt zur "Bibliothek César Aira" vom Verlag Matthes & Seitz bilden. Die Geschichte "Wie ich Nonne wurde" über das kurze Leben eines Mädchen und den tödlichen Streit um Erdbeereis erzählt für Hammerthaler zwar vieles, beantworte aber nicht die im Titel aufgeworfene Frage. Doch wovon Airas Erzählungen jeweils handeln, sei ohnehin weniger wichtig als die simple und zugleich elegante Sprache, die der Rezensent mit dem "kleinen Schwarzen in der Damengarderobe" vergleicht. Die gedanklichen Abwege machen für Hammerthaler den Reiz der Werke aus, deren Übertragung ins Deutsche durch Klaus Laabs er für eine beachtliche Leistung hält.
Ein leichtes fiktionales Schleudertrauma hinterlässt die Lektüre von César Aira beim Rezensenten Merten Worthmann, der jedoch am liebsten weiterfahren möchte in diesem "literarischen Autoscooter": Rabiate Sprünge und Richtungswechsel, das "querfeld einbretternde Schreiben" sind bei Aira Programm. Worthmann gefällt das und er begrüßt sehr nachdrücklich, dass der Verlag Matthes und Seitz mit einer César-Aira-Bibliothek begonnen hat, von der die Novelle "Wie ich Nonne wurde" nur der Anfang ist. Sie erzählt von dem sechsjährigen Mädchen César Aira, die nach einer Eis-Vergiftung leider den Schulbeginn und damit das geordnete und logische Lesenlernen verpasst. Manches, räumt Worthmann ein, ist kryptisch, einiges auch geschwätzig, aber mit seiner fantastischen Freibeuterei genießt der Argentinier Aira in den Augen des Rezensenten nicht zu unrecht den Ruf, einer der bedeutendsten lateinamerikanischen Gegenwartsautoren zu sein.
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