Mädchentier
Roman

März Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783755000464
Gebunden, 201 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Dänischen von Alexander Sitzmann. Sara ist 13 Jahre alt und verliebt in den Pfarrer Dario. Sie ist verliebt in den Vater ihrer besten Freundin Rosa. Sie ist verliebt in ihr Aussehen. Das Erwachsenwerden gerät ihr zu einem gnadenlosen Wechselspiel zwischen Kontrolle, Begierde und Macht. Cecilie Lind erzählt von einem Mädchen, das beginnt zu begreifen, dass nicht alle, die einem Komplimente machen, nur das Beste für einen wollen, und die versucht, die Regeln des Begehrens und Begehrtwerdens neu zu schreiben. Während Sara in einer Welt voller sexueller Projektionen nach Kontrolle über ihren Körper sucht, kämpft sie gleichzeitig mit einer anorektischen Selbstdisziplin, die sie zur Perfektion treibt. Lind stellt Sara in diesem "Lolita"-Roman aus Perspektive des Mädchens nicht lediglich als Opfer dar, sondern auch als Getriebene. Dabei geht "Mädchentier" über die Erkundung der Grenzen von Macht und Körperlichkeit hinaus und stellt zeitlose Fragen wie: Was bedeutet es, die Kontrolle zu haben - oder sie aufzugeben?
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 03.07.2025
Sara ist 13. In der Pubertät wächst ihr ein Körper, der offenbar alle Schönheitsanforderungen der heutigen Zeit erfüllt. Und damit hat sie Macht, so Rezensentin Berit Dießelkämper. Männer verlieben sich in sie, Freundinnen werden eifersüchtig. Und sie scheint es zu genießen, was der Kritikerin gut gefällt, weil die Autorin, der sie eine "herrlich unerhörte Sprache" bescheinigt, eben nie moralisiere. Und wozu auch? Dieser Zustand endet so schnell, er hält genau genommen nur einen Roman lang, dann ist Sara erwachsen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2025
Neufassungen des Lolita-Stoffs gibt es viele, eine weitere, feministische, hat die dänische Lyrikerin Cecilie Lind vorgelegt, so Rezensent Stephan Opitz: Die Protagonistin Sara ist gerade so im Teenageralter, als sie herausfindet, wie viel Macht sie über ältere Männer hat, über den Pfarrer, den Vater einer Freundin und vielleicht sogar über den eigenen Vater. Bildmächtig wird laut Opitz geschildert, wie Sara die pubertätsbedingten Veränderungen ihres Körpers und die Reaktionen der Männer wahrnimmt, wie sie die Ehe ihrer Eltern bewertet und selbst mit mehr Lust und Leichtigkeit durchs Leben gehen will, was sie dadurch erreichen will, sich runterzuhungern. Man spürt großen Ekel, wenn man davon liest, wie Sexualität und Macht hier verwoben sind, meint der Kritiker, vielleicht gerade, weil dieser gelungene Roman "vollkommen ethikfrei" zu dem steht, was er erzählt. Ein überzeugender, feministischer Roman, schließt er, auch wenn man ihn der schweren Thematik wegen vielleicht gar nicht so gerne lesen möchte.