Cecile Wajsbrot

Im Schatten der Tage

Roman
Cover: Im Schatten der Tage
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2004
ISBN 9783935890236
Gebunden, 252 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Lena und Jason lernen sich in der Pariser Metro kennen. Aus verhaltener Sympathie entsteht rasch Zuneigung, einige Wochen lang treffen sie sich jeden Tag an der Haltestelle Barbes. Für Lena sind diese Treffen Gelegenheit, ihrem bedrückenden Leben für kurze Zeit zu entkommen. Sie leidet unter ihrer despotischen, ans Bett gefesselten Mutter, für die sie aufopferungsvoll sorgt. Eines Tages jedoch kann Jason aufgrund eines Streiks in der Metro nicht wie vorhergesehen zu ihrem Treffen kommen ... Aniela, die aus Osteuropa geflüchtet ist und sich illegal in Paris aufhält, lernt schnell die Schattenseiten der Stadt kennen. Bald schon muß sie sich eingestehen, daß ihr Traum von einem besseren Leben in Paris eine Illusion war. Als sie Jason in der Metro kennenlernt, verliebt sie sich. Durch ihn schöpft sie Hoffnung in einer Welt, in der sie sich ausgegrenzt fühlt. Als sich jedoch die Wege von Aniela und Lena kreuzen, nimmt das Schicksal seinen fatalen Lauf.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Dies ist ein eigenartiges Buch, meint Hans-Peter Kunisch. Denn Cecile Wajsbrots in Paris situierte Dreiecksgeschichte um die illegale Immigrantin Aniela, die an ihre gelähmte Mutter gefesselte Lena und den "aufreizend positiv gezeichneten" Studenten Jason, der Lena liebt und Aniela gegenüber erschreckend teilnahmslos ist, wirkt auf den Kritiker "ziemlich blaubestrumpft". Kunisch meint damit: Der emphatische Liebes-Symbolismus des von Holger Fock und Sabine Müller gut übersetzten Buchs entspricht nicht dem üblichen "Lust-Alltag der Gegenwart". Indem die Autorin aber all ihre Figuren ernst nimmt, deren Seelenbewegungen einfühlsam nachvollziehbar macht und ganz nebenbei noch Kritik an der Ausländerpolitik Frankreichs übt, ist ihr ein "vielschichtig-tiefgründiges" und aktuelles Buch gelungen, lobt Kunisch. Unter der Oberfläche hat der Kritiker in dem Werk auch einen "KZ-Roman der dritten Generation" entdeckt und das obwohl die Autorin, Tochter polnischer Juden, darum bemüht sei, "von der Vergangenheit der eigenen Familie weg zu erzählen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2004

"Die Untergrundbahn als literarischer Ort und Topos ist offensichtlich en vogue", schreibt Barbara von Becker und meint, dass die Fahrt in diesem Roman aber vor allem zwischen Motivklischee und "Pseudo-Bedeutungsvollem" hin und her geht. In der Pariser Metro, Linie 2, lernt der Student Jason zwei Frauen kennen: Lena, die sich selber so fremd ist, dass sie seine Annäherung nicht zu erwidern vermag und schroff abweist; und Aniela, eine Migrantin aus Bulgarien, die auf eine andere Art fremd ist. "Scheitern werden beide", konstatiert die Rezensentin und kritisiert die gestelzte Art, mit der der Text triviale Einsichten zu schwerwiegenden Erkenntnisses stilisiert. An den besten Stellen gelinge es der Autorin "mit spröder Lakonie... eine Atmosphäre des Fatalismus zu beschwören", allzu oft aber stecke der Text in einem "kunstvoll naiven Ton" fest.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2004

Mit diesem Roman ist Rezensent Thomas Thiel gar nicht warm geworden. Es erscheint ihm daran doch alles recht bedeutungsheischend, lehrbuchhaft und realitätsfern: "Es tobt und es brandet, schicksalt und weltet", spottet der Rezensent, ohne dass sich ihm dafür ein wirklicher Grund erschließen konnte. Die Geschichte: Lena muss ihre despotische, ans Bett gefesselte Mutter pflegen und die einzigen Momente, in denen sie ihrer bedrückenden Situation entkommen kann, sind ihre Treffen mit dem Studenten Jason in der Metro. Aber auch die aus dem postkommunistischen Bulgarien geflüchtete Aniela sucht die Freiheit, das bessere Leben und die Liebe und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Überhaupt nicht nachvollziehbar findet Thiel die hier erzählte "tragische Entrückung", die durch "sperrige Mystik" und einen "holprigen Stil" verschlimmert werde.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

"Ein wenig ratlos" fühlt sich Thomas Laux nach der Lektüre von Cecile Wajsbrots zweitem Roman. Laux befremdet die "aufgenötigte Tristesse", die die jungen Protagonisten ertragen müssen. Es scheint dem Rezensenten, als ende jegliche Liebe bei Wajsbrot in der Katastrophe auf dem "Friedhof der Sehnsüchte". Die Dreieckskonstellation aus Jason, Lena und Aniela endet mit dem Tod letzterer und der Trennung der beiden anderen, erzählt Laux. Von der Anlage her scheine der Roman in der Nachfolge "großer fataler Liebesepen" zu stehen. Doch durch den Kontrast der zwei sich widersprechenden Liebes- und Freiheitsvorstellungen der beiden Frauen und der Hinzunahme aktueller gesellschaftspolitischer Probleme wie der Einwanderung, gewinnt die Autorin dem traditionellen Schema durchaus "bemerkenswerte Facetten ab, konstatiert Laux. Insgesamt aber bleibt ein "beklemmender Eindruck".
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