Carsten Goehrke

Russischer Alltag

Eine Geschichte in neun Zeitbildern vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart. Band 2: Auf dem Weg in die Moderne
Chronos Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783034005845
Gebunden, 550 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

In drei Bänden öffnet Carsten Goehrke neun Zeitfenster in die Vergangenheit, die es erlauben, charakteristische Veränderungen des täglichen Lebens zu registrieren. Innerhalb eines jeden Zeitbildes rekonstruiert der Autor den Alltag, die Lebenswelt eines Individuums in konzentrischen Kreisen von innen nach aussen: zunächst das häusliche Umfeld, dann den Hof, die Siedlung und schliesslich die Region in ihren jeweils konkreten Ausprägungen, aber auch in ihren sozialen Vernetzungen. Dies ermöglicht dem Leser, sich den Lebens- und Vorstellungswelten der Angehörigen einer bestimmten Schicht oder Gruppe aus deren eigener Perspektive zu nähern. Da sich die Gesellschaft im Verlauf der historischen Entwicklung zunehmend ausdifferenziert hat, wächst von Epoche zu Epoche auch der Umfang der Zeitbilder.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2004

Auf die ewige Frage, wer das Subjekt der russischen Geschichte sei, antworten neuere historiografische Darstellungen nicht mehr, wie früher "Der Zar", sondern "Der einzelne Mensch", bemerkt der Rezensent Ulrich M. Schmid. In seiner dreibändigen Darstellung des russischen Alltags konzentriere sich Carsten Goehrke in der Tat auf die "individuellen Lebenswelten". In neun "Querschnitten" - die Goehrke "Zeitfenster" nenne - gehe der Autor auf die "konkreten Lebensumstände verschiedener historischer Akteure" ein, etwa wenn er das Leben auf einem russischen Gutshof des 18. Jahrhunderts einmal aus der Perspektive des Gutsherren und einmal aus der des leibeigenen Bauern beschreibe. Damit, lobt Schmid, gewinnt eine ganze Epoche "anschauliche Züge". Auch Goehrkes Quellenarbeit hat dem Rezensenten sehr gefallen, da er sich nicht nur auf zahlreiche, sondern auch auf "wenig bekannte" Quellen (und anderem "wertvolles Bildmaterial" stütze. Geradezu mutig findet Schmid den Schlusspunkt von Goehrkes "Momentaufnahmen": ein "fiktiver Text" um eine "konkrete Szene aus dem russischen Alltag". Diese Vorgehensweise findet Schmid nicht nur "legitim", sondern auch "methodisch aufschlussreich", denn Goehrkes Ansatz mache das erzählende Subjekt zum Ort und zur Wahrheit der Geschichte. Nicht immer beglückt ist der Schmid allerdings von dem manchmal "allzu saloppen Stilregister" dieser sonst so hervorragenden Bände.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003

"Vergleichbares", verkündet Dietrich Geyer, "hat es in der historischen Russlandforschung bisher noch nicht gegeben: eine groß angelegte Geschichte des russischen Alltags über mehr als ein Jahrtausend hin", in insgesamt drei Bänden, von denen jetzt zwei vorliegen, die vom 9. Jahrhundert bis eingangs des 20. Jahrhunderts reichen, das Thema des letzten Teiles sein wird. Goehrke habe damit eine überdisziplinäre, auf den - zumeist keine Zeugnisse hinterlassenen - Menschen und seine Lebensbedingungen abzielende Geschichtsschreibung angestrebt; sein Blick gehe auf "lokal und individuell fassbare Verhältnisse", die er in makrogeschichtlich eingebetteten "Zeitbildern" darstelle - Existenzsicherung, Sex, soziale Beziehungen, Normen, Gedankenwelten. Dem Text sind als Anschauungsmaterial Quellen und Abbildungen zur Seite gestellt.
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