Carlos Saura

Dieses Licht!

Roman
Cover: Dieses Licht!
C. Bertelsmann Verlag, München 2001
ISBN 9783570005064
Gebunden, 255 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Karl A. Klewer. Spanien, 1936: Für den Journalisten Diego und die Pianistin Teresa zählt nur ihre Liebe. Doch ihr Glück wird jäh zerstört. Diego kehrt bei Ausbruch des Bürgerkriegs in das belagerte Madrid zurück, Teresa fährt zu ihrer konservativen Familie aufs Land. Die beiden werden sich nie wieder sehen...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2001

Carlos Saura, so Rezensent Thomas Speckmann, geht es in seinem ersten Roman, der in der Zeit des spanischen Bürgerkriegs handelt, nicht vorrangig darum, dessen Daten und Fakten, Lager und Allianzen zu analysieren. Wo die Grenzen zwischen Bürgermilizen, Falangisten, Kommunisten, Arbeitern und Militärs verlaufen, sei nicht immer deutlich zu erkennen. Wie in seinen Filmen suche Saura in dem melancholischen und zugleich spannend konstruierten Roman vielmehr, die Seelenzustände von Menschen zu beschreiben. Distanziert wie mit dem kalten Auge der Kamera fange Saura ein Ausmaß an Rachsucht, Gewalttätigkeit und Grausamkeit ein, wie es sich vor dem Krieg niemand hätte ausmalen können. Doch der Roman, der vom Zerbrechen von Familien und Freundschaften, von Trennung und Tod, wachsender Kälte und Misstrauen erzählt, wirkt nach Ansicht des Rezensenten dennoch wie ein Hohes Lied auf Mut und Menschenwürde. Wenngleich der Stil des Autors, zumindest in deutscher Übersetzung, nicht immer ganz sicher wirke und er mitunter zu Plattitüden - Frauen sind mit Vorliebe "bezaubernd" und Busen gerne "üppig" - neige, bescheinigt Speckmann Carlos Saura dennoch, eine Chronologie von großer Tiefe geschrieben zu haben, "eine Art Film, für den im Kopf des Lesers viel Raum bleibt."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2001

Preisfrage: es ist kein Roman, es ist kein Film, was ist es dann? - Ein Drehbuch, Sie haben gewonnen! Leider keine Eintrittskarte fürs Kino, denn, so bedauert Kersten Knipp, bislang schwebt dem Regisseur, der hier seinen ersten Roman vorlegt, der Film nur vor Augen. In jedem Satz klingt die Regieanweisung durch, behauptet Knipp, das ohnehin melodramatische Geschehen aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs sei durchgängig im Präsens und "im Modus der Unmittelbarkeit" gehalten - ein monoton und langweilig werdender und sich abnutzender Effekt. Nicht eine Szene, ein Satz, stöhnt der Rezensent, die zum Nachdenken oder Innehalten einladen. Die Republikaner seien die Guten, die Falangisten die Bösen - dazwischen das unschuldige Liebespaar. Von den glänzenden Darstellungen der Komplexität des spanischen Bürgerkriegs eines Max Aubs, einer Ana Maria Matute oder Andres Trapiello ist Sauras Roman für Kersten Knipp Lichtjahre entfernt.
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