Carlos Fuentes

Woran ich glaube

Alphabet des Lebens
Cover: Woran ich glaube
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421056719
Gebunden, 379 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem mexikanischen Spanisch von Sabine Giersberg. Carlos Fuentes offenbart dem Leser seine Gedanken über das Leben, erzählt von seiner Kindheit in Lateinamerika, schildert seine ersten Begegnungen und Erfahrungen mit Literatur. Mal plaudernd, mal bekennend oder nachdenklich gibt er sich in diesen alphabetisch geordneten Texten und schlägt darin auch die großen Themen an, die sich in seinen Romanen wiederfinden. Die persönlichen Bekenntnisse zu Freundschaft, Schönheit, Familie, Liebe und Sex überraschen durch ihre Offenheit wie durch den vertraulichen Ton, mit dem er sich an den Leser wendet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.07.2004

Für Nicole Henneberg besteht kein Zweifel, dass Carlos Fuentes ein bedeutender Geist und Zeuge unserer Zeit ist. Auch nicht daran, dass er dem Leser in diesem "Bekenntnisbuch" viel zu sagen hat. Nur: Fuentes wollte, so Hennebergs Befund, "gleichzeitig ein programmatisches und ein ganz privat autobiografisches Buch schreiben", was zwar den Gedanken nicht anhaben könne, doch die Erinnerungen zu einem "sorgsam gebauten, streng gegliederten Gedankengebäude" erstarren lasse. Umso mehr hat sich die Rezensentin gefreut, wenn sich darin mal "überraschende, anarchisch-spielerische Durchblicke" öffneten, oder wenn es sehr persönlich wurde - bei den Erinnerungen an Bunuel beispielsweise. Für den Rest der Lektüre hat die Rezensentin mit Fuentes die "ehrwürdigen linken Träume" geträumt, in denen der Mensch mit seiner Identität, seiner Liebe und seiner Hoffnung dem Kapitalismus trotzt. Der Glaube an die "Selbstheilungskräfte der zivilen Gesellschaft" - bei Fuentes ist er ungebrochen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2004

"Großartige Passagen" gelingen Carlos Fuentes in seinem neuen Buch, lobt Karl-Markus Gauss. Der mexikanische Schriftsteller hat sein "persönliches ABC", ein Werk, dessen Struktur durch das Alphabet bestimmt ist und in dem der Autor all das unterbringt, was er von A bis Z zu sagen hat, mit "schöpferischer Subjektivität" geschrieben. Doch die Tatsache, dass es sich bei Fuentes um einen "bedeutenden Autor" handelt, ändert leider nichts daran, dass die innere Schlüssigkeit des Werks "gering" ist, bedauert der Rezensent. Dass Fuentes sich nicht um eine eigenständige Komposition bemüht, sondern aus verschiedensten Texten, Notizen und Reden geschöpft hat, "gereicht dem Buch nicht zum Vorzug". Einige Teile seien gelungen, findet der Gauss, so das Kapitel über Freundschaft und Liebe - überhaupt sei Fuentes am besten, wenn er über ihm nahe stehende Menschen schreibt. Diese Qualität zeichne die politischen Passagen aber leider nicht aus. "Just diese" geraten ihm, bedauert der Rezensent, "am langweiligsten".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2004

Mit diesem Band erhalten deutsche Leser erstmals die Gelegenheit, schwärmt Kersten Knipp, den mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes auch als Essayisten kennen und schätzen zu lernen. Gerade seine Texte, die sich mit der spanischsprachigen Kultur beschäftigen, weisen ihn als großen Stilisten und kenntnisreichen Historiker aus, behauptet Knipp. Manchmal allerdings fallen ihm Fuentes' politische Argumente schon fast zu vernünftig, zu ausgewogen, "so durch und durch republikanisch und demokratisch" aus; da fehlt es dem Rezensenten scheinbar an Provokation. Besonders angetan hat es ihm Fuentes' frühes Essay über die Stadt Zürich, der noch aus dem Jahr 1950 stammt, als der junge Mann in Genf studierte und für den mexikanischen UNO-Botschafter arbeitete. Fuentes war ein scheuer aber genauer Beobachter, hält Knipp fest, dem die Begegnung mit Thomas Mann in Zürich zur Begegnung seines Lebens wurde. Ihm sind Manns sehnsuchtsvolle Blicke nach dem jungen Kellner im Hotel nicht entgangen, und aus dieser kleinen Begebenheit, erzählt Knipp fasziniert, entwickele Fuentes eine ganze Theorie der Kreativität in Verbindung mit Disziplin und Askese: altmodisch zwar, gesteht Knipp zu, aber einnehmend und überzeugend dargelegt.
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