Carlo Lucarelli

Der rote Sonntag

Ein Fall für Commissario de Luca
Piper Verlag, München 2001
ISBN 9783492270106
Taschenbuch, 175 Seiten, 12,27 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Monika Lustig. Commissario De Luca schlägt den Mantelkragen hoch. Ein kühler Wind weht durch das regennasse Bologna. Es ist der April des Jahres 1948. Nervosität und die lähmende Spannung der ersten demokratischen Wahlen liegen über der Stadt, als De Luca sich auf den Weg macht in die Via delle Oche, dem berüchtigten Rotlichtviertel. Dort soll sich der kommunistische Bordellhandlanger Ermes Ricciotti erhängt haben. Die Indizien am Tatort sprechen eine andere Sprache, doch von oberster Stelle werden De Lucas Ermittlungen im Keim erstickt. Bis er der "Tripolina", der verschlossenen, dunkelhaarigen Bordellbesitzerin, näher kommt ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2001

Maike Albath bespricht in einer Doppelrezension zwei Kriminalromane von Carlo Lucarelli.
1.) Carlo Lucarelli: "Der rote Sonntag" (Piper)
Die Rezensentin macht den Leser zunächst mit Commissario De Luca bekannt, der in mehreren Krimis des Autors die Ermittlungen leitet. In De Luca sieht Albath einerseits einen ganz typischen Detektiv, der sie auch an Sherlock Holmes erinnert. Andererseits jedoch ist De Luca für sie keiner dieser Krimi-Serienhelden, für den man "uneingeschränkte Sympathie empfinden" könne. Die liegt, wie sie meint, daran, dass es sich beim Commissario um einen ziemlich durchschnittlichen Typen handelt, der darüber hinaus auch ausgeprägte opportunistische Züge trägt. Was Albath an der De-Luca-Serie insgesamt gut gefällt ist, dass hier nicht die "üblichen Italien-Klischees" aufgebraten werden - anders als etwa bei Donna Leon. Was das vorliegende Buch betrifft, so ist der Rezensentin zunächst einmal die gründliche Recherche des Autors aufgefallen, der mit Zeitungsausschnitten und "öffentlichen Statuten" eine Art "authentisches Hintergrundrauschen" geschaffen hat. Insgesamt hält Albath diesen Band zwar nicht unbedingt für weltbewegende Literatur, doch lobt sie das handwerkliche Geschick des Autors, seine raffinierten Variationen des Genres und die Verunsicherung, die er beim Leser auslöst, ohne ihn dabei zu überfordern.
2.) Ders.: "Schutzengel" (DuMont)
Von diesem Band ist die Rezensentin allerdings ein wenig enttäuscht. Das Pärchen - bestehend aus Sovraintendente Coliandro und der Punkerin Nikita - bleibt ihrer Ansicht nach zu "blass und langweilig". Auch das ungehobelte Verhalten Coliandros, seine rassistischen Sprüche, Platitüden über Frauen und das Leben als solches, scheinen der Rezensentin etwas auf die Nerven zu gehen. Zu klischeehaft findet sie dies, darüber hinaus scheint ihr vieles zu konstruiert an diesem Band, etwa das "Spiel mit den unterschiedlichen Textsorten" und auch die Handlung selbst, so dass ihr dieser Krimi geradezu wie eine "Stilübung" vorkommt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2001

Robert Brack stellt zwei Romane des Italieners Carlo Lucarelli vor und einander gegenüber: "Der rote Sonntag", erschienen bei Piper, und "Schutzengel", erschienen bei DuMont.
1) "Der rote Sonntag"
Das Buch ordnet Brack in die Reihe der Kriminalromane des vielseitigen Autors ein. Lucarellis bereits aus zwei anderen Büchern bekannter, immer die Grauzone zwischen Macht und Moral auszuloten bemühter Commissario De Luca, schreibt Brack, finde sich hier, als Sittenwächter im postfaschistischen Italien, "zwischen den beiden neu entstehenden Machtblöcken", zwischen Kommunisten und Christdemokraten, wieder. Bewundernswert findet es der Rezensent, wie es dem Autor in knapper, leichter Form gelingt, "historisches Terrain zu erkunden, in dem sich alle großen politischen und sozialen Themen des 20. Jahrhunderts konzentrieren."
2) "Schutzengel"
Einen "Mafia-Thriller" hat Brack da gelesen. Wie in den Krimis des Autors konstatiert er auch in diesem "Gegenwartsroman" das Fehlen eines romantisierenden Italienbilds. Stattdessen freut er sich über fern von "Techno-infizierter Trendprosa" angesiedelte schnelle Genrebilder und "kurze Schlaglichter auf den Zustand der heutigen italienischen Großstadtgesellschaft" - eine "lebendige Hommage" an Bologna und eine "mosaikartig aufgebaute Kriminalstory, bei der sich der Leser selbst als Detektiv betätigen darf."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2001

Das Buch ordnet Brack in die Reihe der Kriminalromane des vielseitigen Autors ein. Lucarellis bereits aus zwei anderen Büchern bekannter, immer die Grauzone zwischen Macht und Moral auszuloten bemühter Commissario De Luca, schreibt Brack, finde sich hier, als Sittenwächter im postfaschistischen Italien, "zwischen den beiden neu entstehenden Machtblöcken", zwischen Kommunisten und Christdemokraten, wieder. Bewundernswert findet es der Rezensent, wie es dem Autor in knapper, leichter Form gelingt, "historisches Terrain zu erkunden, in dem sich alle großen politischen und sozialen Themen des 20. Jahrhunderts konzentrieren."
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