Carl Schmitt

Antworten in Nürnberg

Cover: Antworten in Nürnberg
Duncker und Humblot Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783428100750
Kartoniert, 153 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Herausgegeben und kommentiert von Helmut Quaritsch. Carl Schmitt war 1945/46 über 13 Monate in Berliner Internierungslagern verhört und festgehalten worden. Im Frühjahr 1947 wurde er erneut verhaftet und als angeblicher Kriegsverbrecher für sechs Wochen in einer kargen Einzelzelle des Nürnberger Justizgefängnisses eingesperrt. Robert Kempner verhörte ihn, ließ ihn sich schriftlich verteidigen und Gutachten über den Chef der Reichskanzlei Lammers und die Staatssekretäre im Dritten Reich schreiben. Erstmals werden die drei Vernehmungsprotokolle, die Stellungnahmen in eigener Sache und die Gutachten Schmitts nach seinen handschriftlichen Entwürfen ungekürzt wiedergegeben und ausführlich kommentiert. Besonders geprüft wird die Glaubhaftigkeit der variierenden Berichte und Erzählungen Kempners in den Jahren 1973 bis 1991 über Schmitts Aussagen und Verhalten, die bisher das Thema "Schmitt in Nürnberg" bestimmten. Schmitt selbst schwieg zu Kempners Behauptungen, obgleich er über Nürnberg nichts zu verschweigen, indes einiges zu sagen hatte. Eine Ursache seines Verstummens mag der Wunsch gewesen sein, die als Erniedrigung und Strafe empfundene Zeit so hinter sich zu lassen wie das Jahr im Internierungslager. Der eigentliche Grund aber hat mit "Nürnberg" nichts zu tun. Schmitt war trotz seiner schnellen und vielseitigen Feder unfähig zur biografischen Spiegelung. Jede Erinnerung geriet ihm sogleich ins Abstrakte und Allgemeine. "Nürnberg" machte davon keine Ausnahme. So kann dieses Buch einige neue zeitgeschichtliche Erkenntnisse bringen, auch die fabulösen Berichte Kempners korrigieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2000

Paul Noack stellt in seiner Rezension den Herausgeber des Bandes, Helmut Quaritsch, als ausgemachten Kenner Carl Schmitts vor, der bereits zahlreiche Veröffentlichungen zu dem Staatsrechtler herausgegeben hat. Dabei gehe es Quaritsch darum, die "Verfemung aufzubrechen", die durch Schmitts Rolle während des Nationalsozialismus bedingt ist. Noack lobt an diesem Band die "tadellose Edition der drei Verhöre und vier Stellungnahmen" bei den Nürnberger Prozessen von 1947 und stellt fest, dass sich Quaritsch mit seiner Interpretation gegen die vorherrschende Deutung des amerikanischen Anklägers Robert M. W. Kempner stellt, dem er in unmissverständlicher Weise Gedächtnisschwächen unterstellt. Nach Noack werden im vorliegenden Band - dank der "minutiösen Anmerkungen" über die Vorgänge in Nürnberg - die "zeitgeschichtlichen Zusammenhänge" besonders gut deutlich. Unbeantwortet bleibt seiner Ansicht nach jedoch die Frage, ob Schmitts Reaktionen auf die Anklage bewundernswert sind oder ob sie nicht vielmehr als Ausdruck einer Blindheit gegenüber der nationalsozialistischen Wirklichkeit zu verstehen sind.
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