Brigitta Falkner

Fabula rasa oder Die methodische Schraube

Cover: Fabula rasa oder Die methodische Schraube
Ritter Verlag, Klagenfurt 2002
ISBN 9783854153078
Broschiert, 231 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

"Prinzip I", eine Art Filmscript (basierend auf dem monovokalischen Prinzip: nur der Vokal "i" darf verwendet werden!), vermischt Elemente des Films mit solchen des Comics, wobei sich die Schauplätze des fiktionalen Vexierspiels (Linz, Grinzing, Rimini) in einem Paralleluniversum mit eigenen Gesetzen und Spielregeln befinden. "Schmutzige Tricks" knüpft an die ikonographische Tradition des hard boiled Genres an. Die Bildzitate aus film noir und den daily- crime-strips der vierziger Jahre werden in einer nach den Regeln eines einfachen Chiffrierverfahrens generierten Pseudosprache kommentiert. Das Sprechstück "Au! Die methodische Schraube" ist ein Text über Verbote, Regeln und Zwänge. Insgesamt bietet das Buch Bild-Text-Comic-Geschichten, die den Leser zwischen die Genres comic, Film, Palindrom, Anagramm, und Lipogramm führen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2002

Der Rezensent Bernhard Fetz ist beeindruckt. Brigitta Falkners Bildergeschichten und sprachspielerische Texte, in denen sie "den Wörtern einen mehrfachen Sinn- und Lautsinn abpresst", sind für Fetz die seit langem "witzigste und intelligenteste Antwort auf die Aporien der literarischen Avantgarde". Drei Handlungsebenen greifen in ihrem neuen Werk "Fabula rasa" ineinander, so Fetz, von denen die erste sich um zwei Männer dreht, Karl und Paul, die beide versuchen, Ruth zu erobern. Das Besondere an dieser eher herkömmlichen "psychodramatischen Konstellation", berichtet der Rezensent, liegt in deren Bearbeitung: Falkner gebraucht in ihrem Text lediglich zwei Vokale - das A und das U, was den Text in die Tradition von George Perecs Roman "La Disparition" stellt, in dem auf das E verzichtet wurde. Und auch das zweite Stück verwendet den gleichen Kunstgriff: hier regiert das I, in einer "spitzen und schrillen" Eifersuchtsgeschichte um Willi. Diese Methode ist jedoch "kein Zwang", wie Fetz versichert, sondern bringt "überraschende Sinn- und Sinnlichkeitseffekte" an den Tag. Den dritten Block bildet eine "Bildergeschichte im Stil der amerikanischen Detektivstorys der vierziger Jahre", so Fetz, in der Falkner eine sprachlich "verfremdende Chiffrierarbeit" vornimmt. Bewundernswert findet der Rezensent, wie souverän die Autorin mit der Sprache spielt, wie vorzüglich sie zeichnet und wie vielseitig ihr Wissen ist. Ob sie ganz nach oben in den Literatenhimmel gelangen wird, darüber hegt Fetz einige Zweifel, doch sie hat auf jeden Fall "einen Platz ganz vorne" verdient.
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