Karl Heinz Bohrer

Selbstdenker und Systemdenker

Über agonales Denken
Cover: Selbstdenker und Systemdenker
Carl Hanser Verlag, München 2011
ISBN 9783446237582
Gebunden, 224 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Das Denken, dem es um wirkliche Erkenntnis geht, sucht die Auseinandersetzung. Der Verdacht gegen das konventionelle Argument hält den Geist beweglich. Karl Heinz Bohrer sucht am Beispiel von Leitmotiven in Philosophie, Literatur und Politik das Originelle an ihnen zu entdecken. Der rote Faden seiner Abhandlungen und Vorlesungen ist der Verdacht gegen führende Ideen, und aus dieser Perspektive betrachtet er auch gegenwärtige Debatten, seien es die Achtundsechziger oder das Ende der DDR. Seine Essays beweisen die Kraft des agonalen Denkens, als Zugang zur ehrlichen Erkenntnis der Dinge.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2011

Rückgrat, wie nur wenige deutschsprachige Intellektuelle es besitzen, bescheinigt Rezensent Martin Seel Karl Heinz Bohrer nach Lektüre der in "Selbstdenker und Systemdenker" versammelten Essays über das Verhältnis von Philosophie und Literatur, die hauptsächlich aus der Zeitschrift Merkur stammen. Bohrer verteidigt jederzeit die ästhetische Vorstellungskraft gegen gesellschaftskritische Erwägungen, Formfragen stellt er über Sinnfragen und experimentierendes Denken über Systemdenken. Seel hat viel Sympathie für diese Haltung - zumal Bohrer seiner Ansicht nach ein hervorragender "Selbstdenker" ist - aber es führt auch zu Ungerechtigkeiten, wenn etwa Kant aus dem Klub der Selbstdenker ausgeschlossen wird. Am Ende sind doch beide voneinander abhängig, meint der Rezensent mit Friedrich Schlegel.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.10.2011

Christian Semler exzerpiert einige Beiträge aus der gerade erschienen Aufsatzsammlung des scheidenden Merkur-Herausgebers, deren thematische Bandbreite sich schwerlich auf einen Nennen bringen lässt: Da steht eine intellektuelle Selbstverortung neben einem filmhistorischem Essay oder einer Lobrede auf einen Historiker. Im Kern aber lasse sich anhand jedes Beitrags beispielhaft nachvollziehen, was heute unter unabhängigem Denken zu verstehen sei. Semlers Position wird dabei nicht immer ganz klar: Zwar lässt er sich kleinere Detailbemäkelungen im einzelnen nicht nehmen, doch legen gelegentlich eingestreute Adjektive wie "schön? und "lesenswert? den Verdacht nahe, dass er das Buch schlussendlich positiv gestimmt zugeklappt hat.

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