Aus dem Serbischen von Brigitte Döbert. Die Reise eines Schriftstellers auf den Spuren Marcel Prousts in der Normandie geht gleich zu Beginn gründlich schief, denn das befreundete französische Ehepaar will in ein bretonisches Städtchen, in dem Proust nie war. Die kleine Reisegesellschaft quartiert sich im Hotel Armor ein. Der übergriffige Portier, der vor Kraft und Klischees über 'uns' und 'die anderen' nur so strotzt, liefert dem kränkelnden Schriftsteller reichlich Stoff zum Nachdenken. Nachdem seine Frau zu einem Vortrag enteilt und das befreundete Ehepaar wieder in Paris ist, bleibt er allein im tristen Tréboul zurück und wertet fröhlich grummelnd Dekadenz und Langeweile um. Seine eigene Suche nach der verlorenen Zeit karikiert jedes Pathos.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.03.2019
Rezensent Norbert Mappes-Niediek staunt, wie schlecht gelaunt ihm Bora Cosic aus diesem 1991 erschienenen Buch entgegentritt. Den Text nimmt er als Reaktion des Dichters auf den Zerfall seiner Heimat Jugoslawien und unverhohlene Darstellung eines umfassenden Weltekels. Mit Blick auf die damaligen politischen Verhältnisse zeigt sich der Rezensent verständnisvoll, auch wenn Cosic ohne Pointen erzählt und offen Wut und Hilflosigkeit herauslässt. Dass der Band an Aktualität nichts verloren hat, findet Mappes-Niediek bestürzend und bestechend.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2018
Franz Haas erinnern die virtuosen Nörgeleien und der Weltverdruss von Bora Cosic' Erzähler an Thomas Bernhard. Bitter glänzend erscheint ihm der vom Autor nun neu entworfene, ursprünglich bereits 1991 auf Serbisch erschienene Text um einen alternden Schriftsteller auf einer widerwillig unternommenen Frankreichreise. Dass sich hinter den Invektiven gegen Urlauber, das Reisen und das Schreiben eine kunstvolle Abrechnung mit Serbien und die Erinnerung an das verlorene Jugoslawien verbirgt, geht Haas bald auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2018
Der hier rezensierende, in Wien lebende Autor serbische Autor Marko Dinic spürt in dem Roman des in Berlin lebenden serbischen Autors Bora Csic dem gegenwärtigen Problem nationalistischer Tendenzen in der EU nach. Angesichts des bereits 1991 erschienenen, jetzt neu herausgebrachten und erweiterten Textes hat der Rezensent den Eindruck, dass die Lehren aus den Jugoslawienkriegen nicht allzu ertragreich waren. Wie der Autor mit seinem existenziell an der Welt leidenden Ich-Erzähler in kurzen Kapiteln gegen die Idiotie des Krieges und des Nationalismus anschreibt, findet der Rezensent unprätenziös, pointiert, humorvoll und sprachlich anspruchsvoll. Die Übersetzung von Brigitte Döbert wird diesem Anspruch laut Dinic gerecht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2018
Rezensent Jochen Schimmang preist Bora Cosics Buch, gleich ob als Roman oder Essay verstanden, als höchst unterhaltsame Alternative zur Identitätsliteratur. Wie der Erzähler im Buch, ein ausgesprochen melancholischer Schriftsteller, sich zu einer Philippika gegen das Dasein aufschwingt, scheint Schimmang düster und komisch zugleich. Dass außer diesem stetig gesteigerten Weltekel sonst wenig geschieht im Buch, kann Schimmang verkraften.
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