Aus dem Französischen von Kai Wilksen. Paris 1936. Frankreich ist am Boden: Die Volksfront regiert, Bolschewistische Bücher vergiften den französischen Geist und zudem wird die Grande Nation von diesen teuflischen Kubisten heimgesucht. Blotch entschließt sich, sein Talent in den Dienst der satirischen Zeitschrift Fluide Glacial zu stellen. Er ist das Bollwerk, das Frankreich vor dem Schlimmsten zu bewahren sucht. Sicher, sein Heiligenschein ist nicht ganz makellos, aber dennoch verkörpert Blotch wie kein anderer den "wahren Geist" Frankreichs. Er sieht sich wahlweise als einen "Rubens der Neuzeit", einen "Prinz der Künstler" oder schlicht als der "König von Paris".
Mit "Blotch" findet ein ausgesprochen uangenehmer Zeitgenosse Eingang in den Comicmarkt, meldet Rezensent Sven Jachmann. Der historische Comic um das Pariser Künstlermilieu im Jahr 1936 vom "Erzähtausendsassa" Christian Hincker, der sich selbst Blutch nennt, gefällt Jachmann eben gerade darum so gut, weil man die Figuren darin so ausgezeichnet hassen kann. Denn die Künstlerexistenzen in der Geschichte sind durchweg narzisstisch und talentlos und der reaktionäre und rassistische Blotch stilisiert sich als ihr König. Jachmann liest das als Absage an den unaufhörlichen Geniekult in der Künstlerszene, zu dem sich hier auch allerlei autobiografische Befürchtungen von Blutch und Anspielungen auf andere Künstler entdecken lassen. Die Zeichnungen sind an den Illustrationsstil der Dreißiger Jahre angelehnt, weiß Jachmann und sieht die Figuren mitunter vor lauter Hintergrund nicht mehr, was wohl eine leise Kritik ist im ansonsten allgemeinen Gefallen des Rezensenten.
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