Klappentext
Herausgegeben von Judith Schalansky. Als tiefster See Brandenburgs ist der malerisch gelegene Große Stechlinsee weithin bekannt für sein klares Wasser. Doch wer genauer hinsieht, erkennt die zunehmende Trübung. Anlass genug, der Geschichte seiner Verunreinigung auf den Grund zu gehen: Theodor Fontane siedelt in seinem nach dem See benannten Roman an dessen Ufern die Geschichte einer Adelsfamilie an. Während der NS-Diktatur ist der Stechlin Austragungsort einer bürokratischen Schlacht zwischen dem nationalistischen Naturschützer Hans Klose und der Hitlerjugend wegen deren ausschweifender Zeltlager. Und in der DDR entwickelt sich der See zum Naherholungsgebiet für die werktätigen Massen, obwohl an seinem Ufer ein Atomkraftwerk errichtet wird, dessen ökologische Auswirkungen eine eigens geschaffene Forschungsstelle überwacht. Doch die Veränderungen der natürlichen Umwelt geschehen in einer Zeitlichkeit, die wir kaum überblicken können. Fest steht nur, dass einmal Vergangenes nicht wieder in die Zukunft gebracht werden kann. In den trüben Schichten des Stechlins findet Björn Kröger eine erhellende Perspektive auf das Dritte, das aus Altem und Neuem, aus Natur und Kultur entsteht - und eine Sprache für die Lebenszeit eines Gewässers, in dem sich das Leben und Sterben der Menschen in immer neuen Schichten ablagert.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.07.2026
Viel Anregendes lernt Rezensent Wolfgang Schneider über den Brandenburger Stechlinsee, dessen Geschichte und Gegenwart sich Björn Kröger in diesem Essay widmet. Kröger, selbst in einer Ortschaft am See aufgewachsen, rekonstruiert, wie der Stechlin im 20. Jahrhundert immer mehr in die Fänge des Tourismus geriet, vor allem Berliner nutzten ihn als Naherholungsgebiet. Zwar wurde der See zum Naturschutzgebiet erklärt, aber dennoch tummelten sich an den lieblichen Ufern, die einst durch einen Roman Theodor Fontanes berühmt wurden, während der NS-Zeit Hitlerjungen, in der DDR dann massenweise Urlauber. Die Umweltschäden der realsozialistischen Jahre schlagen erst in unserer Gegenwart heftig durch, weshalb der See an Tiefe verliert und unter Faulschlammbildung leidet, erfährt der Kritiker. Ihm gefällt sehr gut, auf wie vielen Ebenen der Text sich dem See nähert, Mythologisches und Literarisches kommt ebenso zu ihrem Recht wie die Gewässerchemie. Der originelle Satz in Gletscherblau ist laut Rezensent das Tüpfelchen auf dem i eines starken Buches.
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