Rudi Riese ist nicht wie die anderen Mäusekinder. Alle lachen ihn aus, bis seine Mutter ihm eines Tages erzählt, dass sie ihn adoptiert hat: "Du bist kein Mäusekind, Rudi. Du bist ein Rattenjunge, und ich gebe dich nie mehr her." Von nun an wächst Rudi Riese über sich hinaus, hilft den Mäusen mit seiner fulminanten Rattenkraft bei ihren Tanzdarbietungen, hütet das Tor beim Fußballspiel, stellt seinen Schwanz zum Seilchenhüpfen zur Verfügung und ist plötzlich überall beliebt.
Die Geschichte von Birte Müller erinnert ein wenig an "Das hässliche junge Entlein", nur dass es sich hier nicht um ein versehentlich in ein Entenfamilie geratenes Schwanenjunges handelt, sondern um ein Rattenfindelkind, das unter Mäusen aufwächst. Ansonsten aber hat Rudi Riese zunächst mit denselben Widrigkeiten wegen seiner Andersartigkeit zu kämpfen wie das Schwanenjunge. Anders ist aber der Fortgang der Geschichte, erklärt Rezensentin Hella Kemper, denn durch die Erklärung, die die Pflegemutter Rudi gibt, fühlt sich dieser schließlich in seiner Andersartigkeit geliebt und angenommen. Dieses "naiv und überschaubar wirkende Universum" wird durch die bildhafte Gestaltung unterstützt, erläutert Kemper. In Birte Müllers Kinderbuch ist die (Mäuse)welt noch heil, und jeder findet seinen Platz, könnte ihr Resümee lauten.
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