Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2002
Sehr differenziert, im wesentlichen aber kritisch liest sich Gideon Stienings Kritik von Birgit Sandkaulens Auseinandersetzung mit der Philosophie Friedrich Heinrich Jacobi. Was ihn stört ist zunächst eine wohl allzu enge begriffliche und gedankliche Anlehnung Sandkaulens an die Begriffe und das Denken des Lessing-Kritikers. Über der "höheren Paraphrase" und der "ernstnehmenden Rekonstruktion" geht ihm die analytische Distanz zum Gegenstand verloren - und die Begriffe Jacobis, die Sandkaulen zu retten versucht, scheinen zuweilen recht dunkel zu sein. Dennoch gesteht Gideon der Autorin, die er immerhin "auf hohem Niveau scheitern" sieht, Verdienste zu: Sie liegen für ihn vor allem in der "Rekonstruktion der Metaphysik der Spinoza-Briefe", auch wenn er dem gedanklichen Duktus Sandkaulens hier ebenfalls nicht folgen mag: Eine "andere Aufklärung" mag Stiening in Jacobis Darlegungen nämlich nicht erblicken. Für ihn bleibt Jacobi Gegenaufklärer und Irrationalist.
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