Peter Weiss, Maler, Filmemacher, Dramatiker und Autor des Jahrhundertromans "Die Ästhetik des Widerstands" wäre am 8. November 2016 100 Jahre alt geworden. Birgit Lahann hat ein Portrait dieses großen Erzählers geschrieben, der als Jude eine Odyssee durch Europa machte, um der Schreckensortschaft zu entfliehen, "für die ich bestimmt war und der ich entkam" - Auschwitz. Die Nazis hatten ihn zum Flüchtling gemacht, dem sein Leben zu entgleiten drohte. Er malt Bilder, die niemand kaufen will, schreibt Texte, die niemand drucken will, dreht Filme, die keiner sehen will, hat unglückliche Affären. Dann, 1964, katapultiert ihn sein Theaterstück "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats" zu plötzlichem Weltruhm. Fortan ist der vielbegabte Peter Weiss der unbestechliche politische Autor in Ost und West.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2016
In einem Artikel zum 100. von Peter Weiss streift Michael Braun auch kurz die Biografie von Birgit Lahann, der er sehr viel mehr abgewinnen kann als Werner Schmidts aufs Politische konzentrierte Biografie. Lahann scheint dem Kritiker "sehr nah" dran zu sein an den inneren Konflikten von Weiss, besonders in dessen frühen Jahren, als der Künstler weder mit seinen Gemälden noch mit seinen Büchern Erfolg hatte. Auch das Gefühl des Fremdseins, dass Weiss plagte, wird Braun hier sehr deutlich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.11.2016
Rezensent Helmut Böttiger liest für eine Sammelbesprechung Bücher von und über Peter Weiss. Mit Birgit Lahanns Weiss-Biografie kann er gar nichts anfangen. Schon ihre Methode, die "historische Reportage", bei der der Reporter so tut, als sei er überall dabeigewesen, ist ihm wegen ihrer vorgespiegelten Nähe unsympathisch. Über den politischen Werdegang von Weiss scheint er nichts zu erfahren, dafür "melodramatisches" über den Tod der 12-jährigen Schwester Margit und Reminiszenzen der Witwe von Weiss.
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