Aus dem Amerikanischen von Patricia Reimann. Eine junge jüdische Historikerin aus New York kommt nach München, um über das Mittelalter zu recherchieren, verliebt sich aber stattdessen in einen zwanzig Jahre älteren deutschen Professor. Um in seiner Nähe zu sein, beschließt sie, seine Biografie, die Biografie eines Mannes zu schreiben, der 1943 "im Schatten der Geschichte" geboren wurde und als Vertreter der unmittelbaren Nachkriegsgeneration gelten kann. Gleichzeitig wird sichtbar, daß die Ich-Erzählerin selbst ihre eigene Vergangenheit verdrängt hat: Ihre Mutter ist mit einem der "Kindertransporte" 1938 aus Deutschland entkommen und gänzlich zur Amerikanerin geworden. So teilen Hester Rosenfeld und Heinrich Falk das Gefühl der Scham: Er schämt sich der mörderischen Vergangenheit seines Volkes, sie schämt sich der jüdischen Opferrolle im Holocaust.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2003
Die Rezensentin Stefana Sabin ist recht angetan von diesem Roman, der ein heikles Thema - den deutschen Umgang mit der eigenen Geschichte - auf unterhaltsame Art mit einer Liebesgeschichte verflicht. Dabei geht es nur bedingt um die beiden Individuen, die sich da begegnen und die zu guter letzt aneinander scheitern. Denn für die Autorin ist der "immer noch virulente Konflikt um Wissen und Nichts-wissen-Wollen von der Vergangenheit der Eltern ein Konflikt zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Einstellungen". Den Aufbau der Erzählung findet Sabin einfach, aber gelungen, auch der "ironische Erzählton" gefällt ihr. Die Protagonistin bewegt sich ihrer Meinung nach jedenfalls auf "nachvollziehbaren Pfaden".
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