Lästern, Gemeinheiten, Ausgrenzung und Psychoterror, auch Prügeleien, Vandalismus und Erpressungsversuche gehören heute zum Alltag der meisten Jugendlichen. Welche Erfahrungen machen junge Leute mit Mobbing und offener Gewalt? Wie gehen sie damit um? Wo suchen sie Hilfe, wie schützen sie sich? Wie empfinden Mädchen Aggression und Anmache von Jungen? Dieser reader liefert in O-Tönen, Interviews und persönlichen Berichten nicht nur Fallbeispiele für den Zoff im Schulalltag, sondern stellt auch viele positive Initiativen vor: etwa die Arbeit von Schülern und Schülerinnen, die sich als Streitschlichter engagieren, turbulente Vertragsverhandlungen in der Klassengemeinschaft, Selbstbehauptungskurse für Mädchen und Jungen und auch ausgeflippte Aktionen wie das »Kuss-Happening«. Fragen mit viel Zündstoff werden nicht ausgespart: Kann Sich-Prügeln eine »Ehrensache« sein? Welche Strafen sind angemessen für Mitschüler, die gewalttätig sind? Ist es richtig, »hart durchzugreifen«? Sind Jungen immer aggressiver als Mädchen, Mädchen immer Opfer? Gibt es in multikulturellen Klassen mehr Reibereien?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2000
Mitunter fuchtelt die Autorin der Rezensentin etwas zu sehr mit dem Zeigefinger. Ansonsten jedoch hat Cathrin Kahlweit aber auch gar nichts an diesem Buch auszusetzen, das sie sogar als Schullektüre, als "Leitfaden für Lehrer und Schüler" empfehlen möchte. Zweierlei ist für dieses verkaufsfördernde Urteil ausschlaggebend, wie uns die Rezensentin ohne Umschweife zu verstehen gibt: Zum einen wäre da die Authentizität des Buches, gespeist aus den Erfahrungen einer selbst in Elterninitiativen engagierten Autorin und Mutter und den Berichten, in denen Kinder aus der Täter- bzw. Opferperspektive über Gewalt unter ihresgleichen Auskunft geben. Zum andern aber hat die Autorin ganz offenbar auch gut recherchiert, analysiert und nach möglichen Gründen für die Gewalt sowie nach Lösungen gesucht. - Am Ende stört Kahlweit selbst der erhobene Zeigefinger nicht mehr, im Gegenteil: "der pädagogische Ansatz", schreibt sie, "schadet dem Buch insgesamt nicht, er macht es durchgängig gut lesbar".
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