Während des Zweiten Weltkriegs lebten etwa 4.500 Juden spanischer Staatsangehörigkeit im deutschen Machtbereich. Wie die Franco-Regierung auf deren Diskriminierung und Verfolgung reagierte, ist das Thema der Arbeit, die erstmals alle relevanten spanischen und deutschen Quellen auswertet. Im Zentrum steht die "Heimschaffungsaktion", in der die deutsche Regierung eine Reihe neutraler und verbündeter Staaten ultimativ zur Repatriierung ihrer Juden aufforderte; andernfalls würden sie in die Deportationen einbezogen werden. Spanien war jedoch nur zögerlich zur Aufnahme seiner Juden bereit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001
Das Buch des Berliner Historikers Bernd Rother beschäftigt sich mit der Rolle Spaniens während des Holocaust. Die Ergebnisse der "unanständig teuren" Studie sind "nüchtern und ausgewogen", wenn auch teilweise etwas "spröde", wie der Rezensent Dietmar Süss meint. Bemerkenswert an der Studie findet er, dass sie herausstelle, wie der Diktator Franco nach Ende des Zweiten Weltkrieges sich als Judenretter stilisiert habe, um sich vor einer außenpolitischen Isolierung zu schützen. Tatsächlich stimme es, dass die spanische Regierung 20-35.000 Juden vor der Deportation bewahrt hätte, dennoch verhinderte der traditionelle katholische Antijudaismus weitergehende Hilfe. Abschließend befindet der Rezensent, dass die Thematisierung des spanischen Antisemitismus zu kurz komme.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2001
Das von Franco regierte Spanien hat sich während des Zweiten Weltkriegs den europäischen Juden gegenüber keineswegs so hilfsbereit verhalten, wie seine eigene offizielle Darstellung es nahe legt. Das nachgewiesen zu haben, ist, so Birgit Aschmann, das verdienstvolle Untersuchungsergebnis der Studie von Bernd Rother. Er konzentriere sich dabei auf den Umgang mit den Nachkommen der 1492 aus Spanien vertriebenen Juden, den sogenannten "Sepharden", die zwar außerhalb Spaniens lebten, aber oftmals die spanische Staatsbürgerschaft besaßen. Die vor Deportation rettende Einreise sei nämlich den meisten dieser Juden verwehrt worden. Die Rezensentin vermisst in der Studie allerdings mehr Klarheit über Francos persönliche Haltung zur Judenvernichtung.
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