Bernd Roeck

Florenz 1900

Die Suche nach Arkadien
Cover: Florenz 1900
C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406479762
Gebunden, 340 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Florenz ist um 1900 die "Hauptstadt der Renaissance" und eine der schönsten Städte der Welt: mondänes Reiseziel, Fluchtburg und ästhetisches Utopia für Kunstsinnige aller Art. "Führer" durch diese alteuropäische Stadt, die es mit diesem Buch neu zu entdecken gilt, ist einer jener Reisenden "zur Schönheit": der Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg. Aus seinen Briefen und Tagebüchern sowie zahlreichen anderen Quellen zeichnet Bernd Roeck das intellektuelle Porträt und das arkadische Bild des alten Florenz im Umbruch zur Moderne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.12.2001

Wirklich not amused ist die Rezensentin Franziska Meier in ihrem glatten Verriss von Bernd Roecks Darstellung "Florenz 1900". Zu unausgegoren und zu ungereimt erscheint ihr, was der Autor da bei seinem Versuch, Florenz als eine Stadt im Widerstreit von Tradition und Moderne zu porträtieren, an stadtgeschichtlichen Angaben, Schilderungen von Florenzreisenden und Ausführungen über Aby Warburgs seelische und körperliche (Hämorrhoiden) Befindlichkeiten zusammengetragen hat. "Ohnmächtig" sieht sich die Rezensentin einer Fülle von Belanglosem, Interessantem, letztlich jedoch Zusammenhangslosem ausgesetzt. Ganz unverhohlen macht sie ihrem Ärger über "so viel undiszipliniertes und undurchdachtes Herumschweifen" seitens des Autors Luft: Falls man als Leser das Buch nicht gleich wieder zuschlage, so die Rezensentin, bleibe einem nur, "sich mit Hilfe des Registers auf die Suche nach interessanten Details zu begeben oder aber sich durch den Wust von Material hindurchzubeißen". Einzig einige "unfreiwillig komische Formulierungen" des Autors sind für die Rezensentin Anlass zu spontaner Heiterkeit, vermögen sie aber auch nicht milder zu stimmen: Ein echtes Lob für das, was dem Leser hier "überflüssigerweise" vorgesetzt werde, bleibt naturgemäß aus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2001

Bernd Roeck entwirft nicht ein Bild des Florenz der Reisenden, sondern der "ausländischen Künstler und Schriftsteller, Kunsthistoriker, -kenner und -händler", die sich während kürzerer oder längerer Zeit in der Stadt oder deren Umgebung aufhielten, so Rezensent Hanno Helbling. Im Zentrum der Darstellung stehen Wahrnehmungen und Stimmungsbilder der Stadt von den Kultur- und Kunsthistorikern Aby und Mary Warburg, von Robert Davidson, der 1896 eine Geschichte von Florenz publizierte, von Bernard Berenson, einem Florentiner Kunsthändler, von dem Schweizer Maler Arnold Böcklin, von dem deutschen Bildhauer Adolf von Hildebrand und von der Trivialautorin Isolde Kurz, berichtet Helbling. Dass der Autor trotz der subjektiven Wahrnehmung dieser Personen nicht den sozialen und wirtschaftlich-politischen Kontext der Zeit um 1900 aus den Augen verliert, lobt Helbling. Er verweist auf das "intensiv-analytische Quellenstudium" des Autors, das sich dem Leser aber nicht aufdränge, sondern diskret im Hintergrund bleibe. Die "klar und sensibel durchformulierte Darstellung" bezeichnet Helbling begeistert als "stilistisches Arkadien".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2001

Was ein falscher Titel verdirbt, können auch 300 Textseiten nicht wieder gutmachen, meint Ulrich Raulff. Und so gut sind diese 300 Seiten wohl auch nicht, denn der Rezensent findet einiges dran auszusetzen. Wohl gefällt ihm die Idee, dass der Autor den Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg, der tatsächlich seine Braut auf Schau durch Florenz führte, zur Leitfigur durch "Florenz 1900" erkoren hat. Aber Warburg kannte nicht alle wichtigen Leuten und manchmal die falschen und schon gar keine Italiener, auch die florentinischen Aufstände müssen, so Raulff, bei Roeck ohne Warburg stattfinden. Doch bleiben genügend Milieus, in denen sich Warburg auskannte; am besten gefallen Raulff die Passagen über die Kreise, die Warburg am meisten verabscheute: die der Kunsthändler und Mäzene. Ein feuilletonistischer Streifzug also, unvollständig, die Entwicklung der Kunstwissenschaften jener Zeit außer Acht lassend, resümiert Raulff, dem vor allem nicht behagt, dass der Autor, der bereits mit einem Buch über den "jungen Warburg" hervorgetreten ist, diesen als notorischen Arkadiensucher zu pathologisieren versucht.
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