Aus dem Englischen von Susanne Höbel. Die Medici umgibt bis heute ein Mythos: der einer Dynastie unermesslich reicher und kunstsinniger Herrscher, die das moderne Bankwesen erfanden und ihre Heimatstadt Florenz mit den schönsten Werken der Renaissance schmückten. Tatsächlich brauchte man im Florenz des 15. Jahrhunderts mehr als finanzielles Geschick, um sich an der Macht zu halten: Geld gegen Zins zu verleihen, galt der Kirche als Wucher, es konnte einen das Seelenheil und die soziale Stellung kosten. Andererseits brauchten die Päpste ständig Geld, und im politischen Ränkespiel war Mäzenatentum, war schon der schöne Schein der Macht Gold wert. Die Macht der Medici stand auf schwankendem Boden, wie Tim Parks zeigt. Die Bank, 1397 gegründet, brach bereits 1494 endgültig zusammen. Knapp 100 Jahre, die jedoch unser Verständnis der Beziehung zwischen Hochkultur und Kreditwesen entscheidend prägen sollten ebenso wie unser anhaltendes Misstrauen gegenüber dem internationalen Finanzwesen und seiner Verquickung mit Religion und Politik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2007
Die Zornesader des Rezensenten Dirk Schümer ist mächtig geschwollen. Nicht das mindeste Verständnis hat er dafür, dass ein derartiges Machwerk seinen Weg auf den deutschen Büchermarkt gefunden hat. Tim Parks sei als Autor dieses Bandes über die Medici einzig durch Popularität und sein Leben in Italien ausgewiesen. Vom Gegenstand hatte er, wie er selbst zugibt, wenig Ahnung. Also hat er sich in die Sekundärliteratur eingelesen - und erklärt erst einmal, dass das Aufsuchen von Archiven doch ein bisschen zu viel Arbeit gewesen wäre. All das ginge vielleicht noch an, so Schümer, läse sich das Ergebnis nicht wie die Bemerkungen eines "britischen Landadligen nach dem fünften Whisky". Kein Gymnasiast käme mit derart zwangswitzig hingeschludertem Abschreiben durch, zudem spreche im Grunde die reine Publikumsverachtung aus diesem Buch. Bleiben nur zwei Fragen: "Was will dieser Autor? Ist er bei Trost?"
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