Bernd Roeck, Andreas Tönnesmann

Die Nase Italiens

Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino
Cover: Die Nase Italiens
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783803136169
Gebunden, 239 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Eine Biografie des berühmtesten 'Condottiere' im Italien der Renaissance: Heerführer, Diplomat, Förderer der Künste. Er hat die berühmteste Nase Italiens: Federico da Montefeltro. Viele kennen sie aus dem ebenso berühmten Portrait Piero della Francescas in den Uffizien. Wenige wissen, wie Federico zu dieser Nase kam und wie es ihm gelang, zwischen 1444 und 1482 aus Urbino, einem Bergnest am Rand der Marken, ein schon von Jacob Burckhardt bewundertes Zentrum der Renaissancearchitektur zu machen: Er zog die namhaftesten Künstler nach Urbino, seine Bibliothek war eine der bedeutendsten der Epoche, sein Palast wurde die maßgebliche Fürstenresidenz der beginnenden Neuzeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.08.2005

Arne Karsten zeigt sich höchst angeregt von dieser Studie über den Renaissancefürsten Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino. Die Legende will es, dass er ein erfolgreicher Feldherr im Italien des 15. Jahrhunderts war, der sich auf seine alten Tage nach Urbino zurückzog und dort ganz idealistisch Kunst, Kultur und Architektur förderte. "Dieser Legende drehen nun der Historiker Bernd Rock und der Kunsthistoriker Andreas Tönnesmann in ihrer glänzenden Studie mit liebevoller Gründlichkeit den Hals um", stellt Karsten genüsslich fest. Doch kommt dabei offensichtlich nicht eine weitere drögen Heldendemontage heraus, sondern ein neues und mindestens genauso faszinierendes Porträt des Herzogs: Ein erfolgreicher Heerführer war er tatsächlich, aber von unehelicher Geburt - Urbino gewann er vermutlich durch den Mord an seinem Stiefbruder, erzählt Karsten. Darüber hinaus war Montefeltro aber vor allem ein glänzender Werbestratege, erfahren wir. Wie ein moderner Unternehmer sorgte er dafür, dass das "Unternehmen Federico da Montefeltro & Co" glänzend im Italien seiner Zeit, aber auch in späteren Jahrhunderten dastand und gleichzeitig Urbino seine Unabhängigkeit behielt. Die Autoren dieser Studie arbeiten all dies mit Hilfe von Gemälden, Stadtgrundrissen, Bauten heraus. Alles in allem eine "gut lesbare Einführung in die Welt der literarischen Renaissance", die Einblicke gewährt in die "Mentalitäten und das Militärwesen, in Kunst und Kultrur, Alltagsleben und Diplomatiegeschichte", lobt der hingerissene Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2005

Caroline Schnyder hat in dem "packenden" Buch einiges über die politische Selbstinzenierung des Herzogs von Urbino, Federico da Montelfeltro, erfahren. Bernd Roeck und Andreas Tönnesmann nähern sich dem Kriegsunternehmer und Kunstmäzen aus historischer wie kunsthistorischer Perspektive, wobei die beiden Blickwinkel sich in gelungener Weise ergänzen, so Schnyder: Gemeinsam entwirren die Autoren die Bilder und Vorstellungen, die Montefeltro um sich gelegt hat, und die sich in Quellen wie Forschung niedergeschlagen und erhalten haben. Montefeltro hat als Söldnerführer ein geschicktes Händchen bewiesen, seine durch einen frühen Mord an seinem Vorgänger wacklige Legitimation hat er in späteren Jahren durch den Auftritt als Kunstmäzen zu festigen versucht. Auch Jacob Burckhardt sei in seiner Schilderung des Montefeltro-Widersachers Sigismondo Malatesta auf gefärbte Quellen hereingefallen, erfährt die Rezensentin, die am differenzierten Blick auf die Selbstdarstellungskünste dieses Renaissancemenschen sichtlich ihr Vergnügen hatte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005

"Die Nase Italiens", verfasst von Bernd Roeck und Andreas Tönnesmann, hält der kritischen Betrachtung des Kunsthistorikers Wolfgang Kemp durchaus stand. Es handele sich um eine "elegante Biografie" des 'Condottiere' Federico da Montefeltro, der als Söldnerführer und "Generalunternehmer des Krieges" einiges zur Erhaltung des Unfriedens im Italien der frühen Renaissance beigetragen habe. Sein "grausamer Zinken", so Kemp, sei die Folge eines Unfalls bei einem zu dieser Zeit eigentlich schon nicht mehr üblichen Ritterturnier. Anerkennend bescheinigt der Rezensent den Autoren in diesem Zusammenhang "ein Gespür" für die Anachronismen des Quattrocento.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005

Gustav Seibt ist durchweg hingerissen - von Umbrien im Frühling, der "Kunstburg" Federico da Montefeltros in Urbino und dem Buch von Bernd Roeck und Andreas Tönnesmann über den Mäzen und Kriegsherrn der Renaissance. Die beiden Autoren verknüpfen eine "detaillierte" Biografie des Montefeltro mit einer "ausführlichen" Darstellung des ständig erweiterten Anwesens. "Sichtlich fasziniert" beschreiben sie die realhistorischen und machtpolitischen Hintergründe für das Kunstinteresse des Herzogs, schreibt Seibt, der sich dieser Faszination selbst nicht erwehren kann. Letzlich zur Sicherung seines kompromisslosen Machtanspruchs hat Montefeltro unter anderem die erste Treppe Europas bauen lassen, die angemessenes Schreiten ermöglichte, oder das freistehende Bücherregal erfunden. Diese Verbindung von "Verfeinerung und Grausamkeit" "fesselt" den Rezensenten, und er preist die Autoren dafür, mit "modernen sozialwissenschaftlichen Methoden" ein Renaissance-Buch "fast nietzeanischen Zuschnitts" verfasst zu haben.
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