Bernardo Carvalho

In Sao Paulo geht die Sonne unter

Roman
Cover: In Sao Paulo geht die Sonne unter
Luchterhand Literaturverlag, München 2009
ISBN 9783630872803
Gebunden, 204 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner. Immer wieder besucht ein arbeitsloser Werbetexter ein japanisches Restaurant in seiner Heimatstadt Sao Paulo. Eines späten, melancholischen Abends fragt ihn Setsuko, die alte Wirtin, ob er Schriftsteller sei. Sie habe eine Geschichte zu erzählen, die nicht der Vergessenheit anheimfallen dürfe. Damit beginnt eine schwindelerregende Reise in die Vergangenheit, in eine tragische Liebesdreiecksgeschichte zwischen einem Mädchen aus gutem Hause, dem Sohn einer wohlhabenden Industriellenfamilie und einem zwielichtigen Schauspieler, die in Japan während des Zweiten Weltkriegs ihren Anfang nahm und fortwirkt bis ins Brasilien unserer Tage. Doch noch bevor sie ihre Geschichte zu Ende erzählt hat, ist Setsuko eines Tages spurlos verschwunden. Der Werbetexter, der selbst von japanischen Einwanderern abstammt und ihre Geschichte begierig aufgesogen hat, ist verstört. Er muss die ganze Wahrheit herausfinden. Und so begibt er sich mit seinem letzten Geld auf Spurensuche nach Japan, wo er auf ungeahnte neue Hindernisse und Verwicklungen stößt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2010

Florian Borchmeyer gibt uns einen Eindruck vom Aberwitz der zwischen Sein und Schein oszillierenden Handlung. Um uns schließlich abzuraten von diesem Roman des Portugiesen Bernardo Carvalho. Carvalhos Anspruch, der doppelten Kultur der in Sao Paulo ansässigen japanischen decasegui eine Stimme zu geben, bleibt laut Borchmeyer unerfüllt, da der Autor so ziemlich alle gängigen Japan-Klischees wiederholt, von fernöstlichen Weisheiten bis zur Sushi-Exotik. Laut Rezensent ersetzt Carvalho das Brasilien-Stereotyp einfach durch ein neues, seine Sprache und die Figuren gehen seiner Meinung nach in einem "überfrachteten" Plot unter. Verweise auf Henry James und Pessoa helfen auch nicht mehr, meint er, das Buch bleibt ein "kosmopolitisch veredelter Genreroman".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2010

Kritisch ins Gericht geht Rezensent Leopold Federmair mit Bernardo Carvalhos Roman "In Sao Paulo geht die Sonne unter". Sowohl formal als auch inhaltlich hat ihn das Buch nicht überzeugt. Sprache und Stil des brasilianischen Autors, der sich selbst als Verfechter einer "armen Literatur" bezeichnet, scheinen ihm dürftig. Nun räumt Federmair ein, dass die Kargheit der Sprache es dem Leser immerhin erlaubt, sich auf den Plot zu konzentrieren. Wegen der Fülle der Plots in diesem Roman, in dem immer alles und sein Gegenteil passiert, verliert er allerdings alsbald das Interesse an dem Ganzen. Auch den Charakteren und ihren Handlungen, die er als flach und unmotiviert beschreibt, kann er nichts abgewinnen. Das Ganze wirkt für ihn wie auf dem Reißbrett entworfen, blutleer, ohne Vermittlung von Erfahrungen und Empfindungen. Den Grundgedanken des Romans, wir seien unsere Masken, findet er zudem reichlich abgestanden.