Bernard von Brentano

Theodor Chindler

Roman einer deutschen Familie
Cover: Theodor Chindler
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783895614880
Gebunden, 496 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Sven Hanuschek. Im gutbürgerlichen Haushalt der Chindlers spielt man Klavier und geht sonntags in die Kirche. Es ist das Jahr 1914. Theodor Chindler, Abgeordneter der katholischen Zentrumspartei und Familienoberhaupt, macht Politik im Berliner Reichstag, während seine Söhne Ernst und Karl fürs Vaterland an die Front ziehen. Zu Hause diskutieren die anderen Familienmitglieder hitzig über den Kaiser, das Elend in den Lazaretten und den Seekrieg und so brechen die politischen Überzeugungen auseinander. Als sich Tochter Maggie gegen den Willen des Vaters der Arbeiterbewegung zuwendet und sich der jüngste Sohn Leopold in einen Mitschüler verliebt, ist auch in der Heimat nichts mehr so, wie es war.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 29.12.2014

Tilman Krause freut sich riesig über die Wiederauflage von Bernard Brentanos Roman, für ihn die einzige aus dem 20. Jahrhundert stammende herausragende Position zum Ersten Weltkrieg. Neben der Nähe zu Kästners "Fabian", seiner lakonischen Eleganz, besticht der Text laut Krause durch seine weder der Gewalt huldigende noch erklärungsselige Machart. Stattdessen zeigt ihm der Autor, eingebettet in eine Familiengeschichte, sachlich das Versagen der Eliten, den Untertanengeist und die Kälte der Militärs. Woher nimmt der Autor die Kenntnis? Laut Krause verfügt er über zeitgeschichtliches Herrschaftswissen und findet Vorbilder für seine Figuren in der eigenen Familie. Damit überflügelt er die Geschichtsschreibung seiner Zeit, meint Krause respektvoll.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014

Der neuen Ausgabe von Bernhard von Brentanos 1936 erstmals erschienenem großen politischen Familienroman "Theodor Schindler" wünscht Rezensent Lothar Müller eine dauerhafte Rückkehr ins allgemeine Bewusstsein. Denn dieses Buch, versichert der Kritiker, ist ein herausragender Zeitroman über den großen Krieg und das Ende des Kaiserreichs, ein Roman, der als Generalangriff auf die Deutung des Ersten Weltkriegs gelesen werden kann. Müller folgt hier dem fiktiven Reichstagsabgeordneten Chindler, der im Parlament bei dem Versuch scheitert, die Generäle in demokratische Schranken zu weisen, seinen Söhnen, die von der Desillusionierung an der Front berichten und schließlich auch der zunehmend eingewobenen Realgeschichte des Ersten Weltkriegs, die Brentano mit dem entsprechenden Personal untermalt. Zugleich liest der Kritiker in diesem Familienroman aber auch eine Studie zur Liebesordnung in der bürgerlichen Ehe, private Konflikte und die Verstrickungen der Söhne Chindlers. Nicht zuletzt lobt Müller das informative und ausladende Nachwort.
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