Benno Pludra

Jakob heimatlos

Cover: Jakob heimatlos
Der Kinderbuch Verlag, Berlin 1999
ISBN 9783358021828
Pappband, 176 Seiten, 10,12 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2000

Carsten Gansel würdigt in seiner Rezension den Autor zunächst als den vielleicht wichtigsten Kinderbuchautor der DDR, der sich dort ungeheurer Popularität erfreute. Dies liegt nach Gansel vor allem daran, dass Pludra die Probleme von Kindern besonders ernst genommen hat und man viel aus den Büchern lernen konnte, und zwar "ohne didaktischen Zeigefinger". Dies gilt, so Gansel, auch für das vorliegende Buch über einen Jungen, der von zu Hause abgehauen ist und nun zu den Straßenkindern vom Bahnhof Zoo zählt. Die Thematik lasse vielleicht zunächst ein warnendes "Problembuch" erwarten. Doch dies ist nicht Pludras Ansinnen, stellt der Rezensent klar. Vielmehr enthalte sich der Autor moralischer und kommentierender Wertungen, sondern fühle sich in die Denkweise des jungen Protagonisten ein, beschreibe, wie er mit dieser Situation zurecht kommt und wie er seine "Umwelt betrachtet". Gansel gefällt es denn auch, dass am Ende offen bleibt, ob Jakob schließlich wieder nach Hause zurück kehrt. Vermutlich nicht. Aber gerade dieses "Warum?" wird nach Ansicht des Rezensenten "Kinder wie Erwachsene gleichermaßen" aufstören.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.1999

Mit großer Sympathie besprich Siggi Seuss dieses Buch, und man hat fast den Eindruck, er habe einen neuen Band Pludras bereits mit Wehmut erwartet. Zwar findet Seuss die Szenerie dieser Handlung, nämlich die Drogenszene um den Berliner Bahnhof Zoo, etwas ungewöhnlich für eine Erzählung Pludras. Allerdings sei der Autor weit davon entfernt, hier ein Stück "Betroffenheitsliteratur" vorzulegen. Im Gegenteil: Ein Happy End gibt es nicht. Pludra zeige die dunklen, tragischen und nahezu aussichtslosen Situationen, er erzähle von Überforderung und Gefühlschaos. Seuss, der Pludra für den renommiertesten Kinderbuchautor der DDR hält, findet seine Helden in diesem Buch "noch störrischer". Das ist aber durchaus als Kompliment aufzufassen. Deutlich ist Seuss die Sympathie anzumerken, die er mit dem Autor für den speziellen Eigensinn, mit dem man es bei Kindern und Großvätern bisweilen zu tun hat, teilt.

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