Tim Staffel

Südstern

Roman
Cover: Südstern
Kanon Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783985680948
Gebunden, 287 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Breaking Bad in Berlin: Vanessa liefert Glücksmittel, Deniz fährt Streife. Ihre Begegnung öffnet den Himmel über einer pulsierenden Stadt Vanessa ist Pharmakologin. Sie liefert Substanzen, die für Erfolg und Glück sorgen. Ihre Kunden sind Sportler, Krankenpflegerinnen und Politiker. Deniz ist Streifenpolizist. Er fährt Doppelschicht und pflegt seinen parkinsonkranken Vater. Jeden Tag suchen Vanessa und Deniz verlorene Menschen auf, doch dann treffen sie sich. Ein zarter, starker Großstadtroman, der danach fragt: Wie halten wir dem Druck stand? Wie wollen wir leben, und wie können wir lieben?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.11.2023

Über diesen neuen Roman von Tim Staffel freut sich Rezensent Ronald Düker besonders: Der Autor erschreibt darin die "große menschliche Komödie" Berlins, insbesondere Kreuzbergs, anhand eines jungen Paares, das eigentlich keins sein darf. Deniz und Vanessa haben für Dücker Romeo und Julia-Potential, sie ist vordergründig Pharmazeutin, hintergründig Drogenhändlerin, er ist Streifenpolizist mit schwerkrankem Vater. Reizvoll findet der Kritiker, wie die beiden Perspektiven miteinander verwoben werden, das ergibt einen Flow, der ihm verschiedene Kieze, verschiedene Millieus zeigt - und ein Kreuzberg, das geneigte BerlinerInnen wiedererkennen dürften. Ein "Sittengemälde", das auch Anklänge an Wim Wenders' berühmten Berlin-Film bereithält und das dem Ansehen des Autors neuen Aufwind verschaffen dürfte, schließt Düker.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.10.2023

Tim Staffel ist mit "Südstern" ein Balanceakt gelungen, lobt Rezensentin Sonja Hartl: Ein Liebesroman voller "Romantik ohne Kitsch"; zugleich ein Roman über den Niedergang einer Stadt voller Hoffnung und Poesie, ein Text, der den Alltag in Berlin beschreibt, und dabei nur selten in die Klischee-Kiste greift und der Themen wie Krankheit, Armut, Wohnungsnot, sozialen Druck, Drogenabhängigkeit und Ausbeutung aufgreift, ohne nur oberflächlich über sie hinwegzustreifen. Dass dieses Kunststück gelingt, liegt vor allem an drei Faktoren: Der großen Rechercheleistung, die man den Beschreibungen der unterschiedlichen, oft rauen Realitäten laut Hartl deutlich anmerkt; der sehr direkten Sprache und dem besonderen Erzählrhythmus, die Unmittelbarkeit und Dringlichkeit vermitteln und außerdem das hastige Leben in der Großstadt literarisch spürbar machen; ganz besonders aber: die doppelte Ich-Perspektive, mit der Staffel nah an die unterschiedlichen Lebenswelten der beiden Hauptprotagonisten heranführt, ihre Erfahrungen, ihre Ängste und Sehnsüchte fühlbar macht, aber eben auch: ihre große Nähe und Liebe zueinander, so die berührte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.09.2023

"Lindenstraße auf ADHS" liest Kritiker Dirk Knipphals bei Tim Staffel: Es geht um alltägliche Probleme, schwierige Schicksale und vor allem um die beiden Hauptfiguren: Deniz, ein junger Polizist, und Vanessa, Drogendealerin, die aber eigentlich nur das Beste will für ihren Kundenstamm. Sie verlieben sich ineinander, dem steht aber einiges im Weg, weiß Knipphals. Die sich abwechselnden Perspektiven der beiden werden in einem mitreißenden Sprachflow miteinander verbunden, sodass der Rezensent das Buch kaum aus der Hand legen will. Die treibende, intensive Sprache gefällt ihm noch besser als die Handlung, die zwischen Sozialmärchen, Dystopie und Großstadtgegenwart angesiedelt ist - ein Roman, der "in aller Rauheit menschenfreundlich" ist, schließt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.09.2023

Rezensent Ken Yamamoto empfiehlt den Comeback-Roman von Tim Staffel. Dass der Autor sich nach langer Pause noch einmal an einen Roman gewagt hat, scheint ihm ein Glücksfall zu sein. Die Liebesgeschichte zwischen einer Pharmakologin, die als Barfrau illegal Aufputschmittel verkauft, und einem "freundlichen Polizisten" erzählt Staffel laut Rezensent überzeugend und mit reichlich Berliner Lokalkolorit und einem Ohr für die Dissonanzen der Stadt. Auch Sound und Rhythmus stimmen, versichert Yamamoto.

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