Barbara Beuys

Die neuen Frauen - Revolution im Kaiserreich

1900 - 1914
Cover: Die neuen Frauen - Revolution im Kaiserreich
Carl Hanser Verlag, München 2014
ISBN 9783446244917
Gebunden, 384 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Sexismus und Emanzipation die Wurzeln der heutigen Diskussion liegen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Im deutschen Kaiserreich gewinnen die Frauen an Einfluss und werden allmählich zu einem wichtigen Teil des öffentlichen Lebens. Sie sind erstmals berufstätig, sind Ärztinnen und Künstlerinnen, arbeiten in Büros und Postämtern und setzen sich für das Wahlrecht ein. Frauenvereine bringen Themen wie Sexualität und Scheidung zur Sprache. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs findet die soziale Revolution ihr vorläufiges Ende. Barbara Beuys beschreibt lebendig und anhand vieler Lebensbilder den Ausbruch der Frauen aus dem alten Geschlechtermodell. Eine große Erzählung von der Gesellschaft vor hundert Jahren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.07.2014

Julia Brummert findet es ein wenig erschreckend, mit wie vielen der Themen, die für die Frauenbewegung am Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts aktuell waren, sich Frauen heutzutage immer noch herumschlagen müssen. Es ist aber sicherlich nicht Barbara Beuys' Hauptverdienst, solche Parallelen herauszustellen, so die Rezensentin. In "Die neuen Frauen" entwirft die Autorin ein sehr komplexes Bild einer äußerst heterogenen Bewegung, deren Anhängerinnen es je nach gesellschaftlicher Verortung um sehr Unterschiedliches ging, erklärt Brummert. Auch hält Beuys sich nicht mit Kritik zurück, wenn es um die Zusammenarbeit des Bunds für Frauenvereine mit dem Bund für Rassenhygiene und den nationalistischen Bewegungen geht, lobt die Rezensentin. All diesen Fragen nähert sich Beuys über die Lebensgeschichten diverser Protagonistinnen der Bewegung jener Jahre, unter ihnen zum Beispiel Alice Salomon, Clara Zetkin, Clara Immerwahr und Henriette Fürth, so Brummert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.04.2014

Einem breiten Publikum möchte Stephan Speicher Barbara Beuys' Buch über die Geschichte des gesellschaftlichen Aufstiegs der Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1914 ans Herz legen. Speicher überrascht zunächst der "freundliche" Blick der Autorin auf ihr Sujet, da Beuys, wie er schreibt, zwar stets die Defizite in der Emanzipation sieht, doch die Fortschritte hervorhebt, im Politischen wie im Beruflichen. Die von Beuys bemühten Lebensausschnitte einzelner Protagonistinnen der Bewegung, von Clara Zetkin, Lasker-Schüler, Lily Braun, aber auch von eher unbekannten Zeitgenossinnen, findet Speicher zwar recht breit entworfen und durch die chronologische Ordnung mitunter mit Wiederholungen durchsetzt, im Ganzen jedoch scheint ihm der Autorin ein sehr interessanter Blick zu gelingen auf die Frauen im Kaiserreich und die Ambivalenz ihres Fortschritts. Dass es Beuys bei aller Sympathie an Kritik nicht fehlen lässt, etwa an der Neigung der so fortschrittlichen neuen Frauen zu Kulturstolz und Flottenbau, hält der Rezensent für einen weiteren Pluspunkt des Buchs.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2014

Als lohnenswerte Lektüre preist Dorion Weickmann Barbara Beuys' Buch über die Frauenemanzipation im Kaiserreich. Die Autorin verfolgt chronologisch die Ereignisse und widmet sich zugleich ausgewählten Biografien, um die Stationen der Frauenbewegung abzuschreiten, so die Rezensentin zufrieden. Dass sie dabei nichts schönredet und die Protagonistinnen weder auf einen Sockel hebt, noch das Flirten mit Rassenhygiene und Eugenik von einigen Pionierinnen der Emanzipation unter den Tisch fallen lässt, rechnet Weickmann der Autorin hoch an. Und auch, dass sie neben den Erfolgsstorys das ein oder andere Scheitern benennt, zählt für die Rezensentin zu den Vorzügen dieses Bandes.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014

Über das vor dem Ersten Weltkrieg entstandene neue Frauenbild lernt Nina Verheyen bei Barbara Beuys eine Menge. Zwar weiß die Rezensentin, dass über die deutsche Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts bereits zur Genüge geschrieben wurde, und Beuys greife auch ausschließlich auf bereits bekannte Quellen zurück, doch scheint das Gesamtbild, das die Autorin aus einer Vielzahl von mitunter nur wenig bekannten Einzelbiografien entstehen lässt, der Rezensentin in jedem Fall bemerkenswert, da es der Autorin gelingt, das Programmatische hinter den Biografien einzelner Bürgerinnen um die Jahrhundertwende herauszuarbeiten. Wenn Beuys dabei deskriptiv und ohne große analytische Tiefe vorgeht, so findet das die Rezensentin zwar schade, die Lektüre jedoch lohnt sich dennoch unbedingt, meint sie, nicht zuletzt, weil das Buch kenntnisreich, informativ und zugleich unterhaltsam geschrieben sei.