Aus dem Amerikanischen von Sascha Tamm. Ayn Rands 1946 erschienene "Hymne" beschreibt eine zukünftige Welt, in der alle Menschen gleich sind. Der Zweck eines jeden menschlichen Lebens ist es, dem Kollektiv zu dienen. Das einzige Verbrechen, das mit dem Tode bestraft wird, ist das Aussprechen des Wortes "Ich". Die Todesstrafe muss eigentlich kaum noch vollstreckt werden, da dieses Wort, so wie jede Vorstellung von Individualität, in Vergessenheit geraten ist. Aber Gleichheit 7-2521 ist anders als die anderen Menschen: Er maßt sich an, eigene Gedanken zu haben...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2003
Detmar Doering ist fasziniert von der Novelle einer radikalen Individualistin und besessenen Sozialismushasserin: die 1982 verstorbene Ayn Rand, die vor Lenins Regime in die USA floh. "Hymne" erschien 1946 und ist jetzt erstmals ins Deutsche übertragen worden, sehr kompetent, wie Doering findet. Das Buch beziehe seinen Reiz aus seiner holzschnittartigen Fabelhaftigkeit; sein Schauplatz sei eine in jeder Beziehung dunkle Welt, "wirtschaftlich und intellektuell "zerstört, bestimmt von der Ideologie des Kollektivismus. Vor diesem Hintergrund erwache das ausgelöschte Individuum wieder zum Leben: Ein Mann, dessen Name ein Zahlencode ist, erfindet das elektrische Licht aufs Neue und findet eine Gefährtin, die seine Visionen teilt. Diese Symbolhaftigkeit und die "Schematisierung der Charaktere" sei jedoch, so Doering, kein Nachteil, sondern ergebe ein "reizvolles Pathos im Dienste einer erzliberalen Sache".
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