Katalanisch-Deutsch. Übertragung ins Deutsche von Axel Sanjose. Buchgestaltung und Typographie von Friedrich Pfäfflin (Marbach). Im katalanischsprachigen Raum hat die Avantgarde eine bedeutende Tradition - das gilt nicht nur für die bekannten Beispiele aus Architektur und Kunst, sondern auch und in gleichem Maße für die Literatur. Aus der Vertrautheit mit dem Experimentellen hat sich eine sehr lebendige und vielfältige "polypoetische" Szene herausgebildet, die das Erbe jener ästhetischen Umwälzungen des 20. Jahhunderts in vielen Richtungen weiterentwickelt. Wie unterschiedlich die poetischen Verfahrensweisen der Post-Avantgarde sein können, zeigen die vier Autoren dieses Bandes, denen bei aller Divergenz eines gemeinsam ist: das Ausloten der phonetischen und semantischen Möglichkeiten von Sprache. Enric Casasses, geboren 1951, gilt mit seiner ebenso volksnahen wie subversiven Lyrik als enfant terrible der katalanischen Literatur und mittlerweile auch als so etwas wie ein zeitgenössischer Klassiker. Eduard Escoffet, geboren 1979, ist die führende Figur der visuellen und lautpoetischen Szene in Barcelona und ein international agierender Autor und Veranstalter. Der Lyriker, Essayist, Kritiker und Celan-Übersetzer Arnau Pons, geboren 1965, unternimmt mit seinen hermetisch-suggestiven Wortgebilden Expeditionen in die Randzonen der Sagbarkeit. Victor Sunyol, geboren 1955, ist poetischer Impulsgeber in Kataloniens heimlicher Kulturhauptstadt Vic; seine interdisziplinär ausgerichtete Arbeit erforscht die Möglichkeiten der Sprache jenseits ihrer referentiellen Funktionalität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007
Die Erklärung des Titels gibt uns der Rezensent Florian Borchmeyer gleich am Anfang. Es geht um "vier" Lyriker, die "nach" jener Zeit kamen, die in Katalonien als Zeit der Avantgarde gilt; damals nämlich machten sich die Katalanen Gaudi, Miro und Picasso auf, die künstlerische Welt zu erobern. Die vier von Axel Sanjose hier vorgestellten katalanischen Lyriker werden von Borchmeyer als stilistisch sehr unterschiedlich beurteilt. Mit kurzen Zitaten lädt er uns sein, seine Beurteilungen zu prüfen. Während Eduard Escoffet die Materialität der Sprache betont, so Borchmeyer, lässt Viktor Sunyol eine "radikale Reduktion" walten. Arnau Pons entfalte dagegen einen derartigen "Wildwuchs" in seinen Gedichten, dass sie wie "Parodien des Surrealismus?" wirkten. Enric Casasses ist für Borchmeyer der musikalischste der vier, seine Gedichte aber ebenfalls nicht ohne Brüche. Allen gemeinsam aber sei die Suche "nach einem Sinn, der sich stets entzieht". Borchmeyers Urteil: ein höchst verdienstvolles Unternehmen des Übersetzers und Herausgebers Axel Sanjose.
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