Armin Nassehi ist viel unterwegs. Auf Bahnhöfen und Flughäfen, in Hörsälen und bei Vorträgen auf Tagungen und Konferenzen. In seinen wunderbaren soziologischen Storys geht er der Frage nach: Wie gehen die Menschen um mit der Perspektivenvielfalt der modernen Welt? Nassehi ist Flaneur, Nomade, reisender Beobachter. Im Alltagsdickicht deutscher Wirklichkeiten sucht er begehbare Pfade, die immer schwerer auffindbar sind. Er entlarvt nicht von oben herab, aber er schärft den Blick und öffnet die Augen für die Besonderheit und Merkwürdigkeit des scheinbar Normalen und Banalen. Bildlich in einem Taxi reist Nassehi durch die Gesellschaft und stürzt sich ins Getümmel produktiver Missverständnisse, paradoxer Erkenntnisfährten und rhetorischer Sackgassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2010
Den Autor nennt die Rezensentin Julia Amalia Heyer einen Soziologen mit Leib und Seele. Daran dass Armin Nassehi an einer ganz schönen deformation professionelle leidet, lässt sie aber auch keinen Zweifel. Man muss es so hart wiedergeben: Penetrant, unsäglich parlierend, beiläufig-wichtigtuerisch, gewollt nicht-dozierend, alleswisserisch, aber vor allem auch "relativ Wurst" findet Heyer, was sie hier liest. Wenn der Professor U-Bahn fährt (die O-Töne!) oder ein Glas Wein trinkt, immer sieht sich Heyer konfrontiert mit Bildungskanon und Professorenhabitus, mit Bedeutung, Soziologen-Sprech - und Langeweile. Mehrwert für den Leser gleich null, ärgert sich die Rezensentin. Obwohl: Interessante Thesen, etwa zur "Entscheidungsgesellschaft", so räumt Heyer ein, hat der Autor schon dabei, wenn er ins Taxi steigt. Schwatzend fährt er nur leider in die falsche Richtung.
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