Aus dem Englischen von Hella Beister. Diese Studie aus den USA untersucht, in welche Zeitfallen berufstätige Eltern zwischen den Imperativen einer globalisierten Arbeitswelt und den Anforderungen des Familienlebens geraten. In Interviews mit den Beschäftigten eines großen amerikanischen Konzerns geht Arlie Hochschild der Frage nach, warum so viele Eltern über Zeitnot klagen und doch nur wenige die familienfreundlichen Arbeitszeitregelungen des Unternehmens nutzen. Sie stellt einen tiefgreifenden Wertewandel in der amerikanischen Gesellschaft fest, der die emotionalen Pole von Arbeit und Familie verschiebt. Dank einer neuen Unternehmenskultur, die die Selbstverantwortung betont und Anerkennung vermittelt, wird die Arbeit für viele Beschäftigte zum Zuhause, während die Familie zunehmend zum Arbeitsplatz wird. In eindrucksvollen Fallstudien zeigt Hochschild, wie Eltern immer mehr Zeit am Arbeitsplatz verbringen und das Familienleben unter Zeitdruck gerät und taylorisiert wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.06.2003
Frank Keil ist sich sicher, dass Hochschilds Buch "das Zeug zum soziologischen Klassiker hat". Hochschild hat in teilnehmender Beobachtung eine Firma untersucht, die ihren Mitarbeitern verspricht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. In der Realität jedoch geraten die Arbeitenden in einen Kampf um die Zeit "und einem wird klar, wie die Arbeit jedes private Leben paralysiert, erteilt man ihr nur die Vormachtstellung". In einer brillanten "Mischung aus Narrativem und Analytischem" schildert Hochschild diesen "Zusammenprall der mächtigen Welt der Arbeit mit der schwächlichen Welt des Privaten und Häuslichen". Es klinge verblüffend, wenn Frauen erzählen, dass sie sich erst auf der Arbeit entspannen würden, doch Keil hat bei Hochschild Erklärungen gefunden: In der Firma sind die Regeln klar, nach denen Lob und Tadel und Anerkennung verteilt werden. Das Familienleben mit seinen diffusen Beziehungssystemen gerät dagegen zu einem Ausflug in eine "Kampfzone".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.11.2002
Drei Jahre Lang hat die Soziologin Arlie Hochschild den Zusammenklang von Familie und Arbeit in einer amerikanischen Firma studiert. Ihre Ergebnisse, erklärt Rezensentin Susanne Mayer, will sie als eine Warnung verstanden wissen, als eine Warnung vor Arbeitsverhältnissen, die jede Form von Familienleben und Kindererziehung zerstören. 130 Arbeitnehmer hat Hochschild für ihre Untersuchung befragt, und kommt laut Mayer zu erschreckenden Ergebnissen. Niemand schafft es demnach, Arbeit, Kindererziehung und Familienleben in Einklang zu bringen. Hochschild finde eine "absurde Welt" vor, "in der eine Umwertung aller Werte stattgefunden hat". Familie und Kinder werden von Hochschilds Gesprächspartnern als Albtraum erfahren, das Privatleben spielt sich in den kurzen Unterbrechungen des Arbeitsalltags ab und unterliegt einem "neuem Effizienzkult", berichtet Mayer. Hochschild schildere einen "Krieg um die Zeit, in dem die Schwächeren unterliegen, natürlich die Kinder". Die Autorin hat nach Ansicht Mayers ein sehr trauriges Buch geschrieben, das sie dem Leser wärmstens ans Herz legt, erlaube es doch eine Zeitreise, wie die Zukunft des deutschen Familienlebens einmal aussehen könnte.
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