Aus dem Englischen von Melanie Walz. Die Geschichten von Erde und Luft handeln von Gegensätzen und Widersprüchen, von Liebe und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Hoffnung und Furcht, Begegnung und Trennung. Da ist, in der Erzählung "Das Nebenzimmer", eine Frau, die den Tod ihrer Mutter zunächst als Befreiung aus bedrücker emotionaler Enge empfindet. Den Stimmen, die sie in ihrem leerstehen Elternhaus zu hören glaubt, will sie durch Verkauf des Hauses entfliehen. Doch die Stimmen der Vergangenheit sind allgegenwärtig. - In "Racine und das Tischtuch" steht der Eltern-Kind-Konflikt im Mittelpunkt, wenn eine hochbegabte Schülerin im Internat gegen eine kleinkarierte Lehrerin aufbegehrt. - Wie eineErscheinung aus einer anderen Welt tritt in der Erzählung "Der Wechselbalg" ein junger Mann in das Leben einer berühmten Schriftstellerin; er sieht der Hauptfigur in einem ihrer Romane verblüff ähnlich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2003
Auf den ersten Blick wirken die frühen Kurzgeschichten von Antonia S. Byatt auf Werner von Koppenfels eher "altmodisch erzählt". Nach und nach entfalte sich aber der Reiz dieses "unaufgeregten Erzähltons". Kombiniert mit Byatts "Anspielungsreichtum" und ihrer Fähigkeit, "minuziös zu beschreiben" entstehen mehrschichtige Szenerien, in denen außerordentliche Bewusstseinslagen dargestellt und ausgelotet werden, so unser Rezensent. Viele der Stücke seien deutlich autobiografisch gefärbt, was im Falle der stärksten Erzählung "Der Wechselbalg", in der eine Schriftstellerin mordet, Byatts angebliche Harmlosigkeit widerlege. Die Auswahl der Stücke für die vorliegende Edition, für die nur die Hälfte der Titel der amerikanischen Originalausgabe verwendet wurde, bleibt dem Rezensenten aber Ärgernis und Rätsel.
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