Antonia S. Byatt

Frauen, die pfeifen

Roman
Cover: Frauen, die pfeifen
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783458173090
Gebunden, 545 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Brigitte Heinrich, Andrea Stumpf und Melanie Walz. Swinging London, 1968. Frederica Potter wirft ihren Job an der Kunsthochschule hin und macht, fast durch Zufall, Karriere als Moderatorin beim Fernsehen. Die Beziehung zu ihrem Geliebten John geht in die Brüche. Krisen auch in ihrem Bekanntenkreis: die Verhaltensforscherin Jacqueline, ihr Kollege Luk, Marcus, Fredericas eigenwilliger Bruder - alle sind sie auf der Suche nach dem richtigen Mann, der richtigen Frau, nach Sex, nach intellektueller Herausforderung und spiritueller Einsicht. In Fredericas Heimat Yorkshire treibt derweil der Zeitgeist seltsame Blüten. Eine Anti-Universität wirrer Protestler stellt sich gegen die etablierten Wissenschaften. Auf einer Farm zieht eine Kommune mit einem charismatischen Führer ein, abgeschottet vom Rest der Welt. Die Ereignisse überstürzen sich, ein Brand bricht aus, Menschen kommen ums Leben. Würde es einen neuen Anfang geben können?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.01.2007

Verena Auffermann widmet sich in einer langen Kritik dem vierten und letzten Teil des Romanprojekts, in dem Antonia S. Byatt die Geschichte ihrer Heldin Frederica von den 50er Jahren bis 1970 erzählt. Die Emanzipationsgeschichte Fredericas zieht sich zwar durch alle Bände, die Figur ist allerdings nicht der Hauptfokus der britischen Autorin, erklärt die Rezensentin. Byatt sei es vielmehr um ein Stück Mentalitätsgeschichte zu tun und zeige mehr Interesse an den intellektuellen Auseinandersetzungen um 1968 als an der Psyche der Figur, stellt Auffermann fest. Man merkt der Rezensentin die Mühe an, die sie mit den häufig extensiven Erläuterungen hat und sie glaubt, dass die vielen Anspielungen im Roman noch Heerscharen von Literaturwissenschaftlern in Atem halten werden. Mächtig verwundert hat Auffermann das sehr harmonische, versöhnliche Ende von Fredericas Geschichte, die schwanger und hoffnungsfroh in die Zukunft entlassen wird. Insgesamt ein anstrengendes Buch, das dabei mitunter aber auch sehr komisch ist, zum Beispiel wenn über die Übereinstimmungen zwischen Mensch und Schnecke sinniert wird, so die Rezensentin trotz allem fasziniert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2006

Rezensentin Alexandra Kedves feiert die gerade siebzig Jahre alt gewordene Autorin als postmoderne Königin viktorianischer Erzählvirtuosität. Dass Antonia S. Byatt in ihrer Prosa wie niemand sonst "sense and sensibility", "tiefgründige Romanzen samt Dickens'scher Wendungen" und "Eliot'sche Ethik" zu verbinden versteht, zeigt Kedves auch dieser 2002 im Original erschienene Roman. In diesem Buch, das Kedves zufolge der Abschluss eines aus insgesamt vier Romanen bestehenden "Großbritannien-Panoramas" der Jahre 1957-1970 ist, geht es um eine alleinerziehende Mutter, die Karriere beim gerade zu seiner Form findenden Fernsehen Karriere zu machen versucht. Auch diesmal beweist sich Byatt der Rezensentin als ausgreifende, aber sichere Erzählerin. Nur ganz selten sieht Kedves die autobiografisch grundierte Handlung in einem gewissen "Pointillismus" verschwimmen.
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