Antje Ravic Strubel

Unter Schnee

Episodenroman
dtv, München 2001
ISBN 9783423242776
Taschenbuch, 180 Seiten, 13,29 EUR

Klappentext

In Harrachov, einem Ferienort weit im Osten der Tschechischen Republik, sitzen Evy und Vera auf der Terrasse und würden gern Ski laufen. Aber nicht nur ihre Beziehung stagniert, auch die Lifte sind abgestellt. Dabei hatte alles so stürmisch angefangen, vor zwei Jahren im Winter. Vera war bei einer rasanten Abfahrt mit Evy zusammengeprallt, und sie hatten sich auf der Stelle verliebt. Jetzt sind sie eigentlich nur noch für die anderen faszinierend... Die dreizehn Erzählungen in diesem Band bilden eine Art Kettengeschichte. Nur dem Leser erschließt sich, wie sie zusammenhängen, nur er weiß am Ende, was hinter dem Rücken der Figuren geschieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2002

Ganz begeistert ist Rezensent Alexander Kosenina von dieser "Szenenfolge" - denn für einen Roman, auch für einen Episodenroman hält er das Ganze nicht. Er schwärmt vom Talent und "Tiefgang" von Antje Ravic Strubel, lobt ihre Sprache als kühl und knapp und ihren Ton als nicht belehrend oder moralisierend. Wie die junge Autorin "deutsch-deutsche Lebenswelten" literarisch bearbeite, dass ist für Kosenina eine Ausnahmeerscheinung. Die Ausschnitte aus einer ost-west-deutschen lesbischen Liebesgeschichte, beobachtet von den tschechischen Dorfbewohnern, nicht-chronologisch erzählt, sondern in dreizehn Episoden aus verschiedensten Perspektiven, sind für den Rezensenten "Prosa voller Zauber". Er freut sich schon auf das nächste Buch von Strubel.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.02.2002

Dieser zweite Roman der jungen Autorin scheint Susanne Messmer schon viel besser zu gefallen als das Debüt vor gerade mal einem halben Jahr. Unspektakulärer, abgespeckter sei er, ganz ohne Dramen und von einem kühl sezierenden Blick der Autorin zeugend, obgleich es wieder um Beziehungsanalyse vor deutsch-deutschem Hintergrund geht, wie wir in Messmers Besprechung erfahren. Dass die Figuren dem Leser gewissermaßen verschlossen bleiben, weiß Messmer dem Text ebenfalls als Plus anzurechnen. Schließlich bleibt er auf diese Weise rätselhaft und bewahrt die Figuren davor, "ähnlich bloßgestellt zu werden wie zum Beispiel bei Ingo Schulzes 'Simple Storys'".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001

Zwei Frauen, Ost und West, ein Liebespaar, eingeschneit in den Bergen. Ihre Annäherung findet unter Beobachtung statt: der Autorin natürlich, vor allem aber der Nebenfiguren des Romans, die die beiden Frauen in unterschiedlichster Weise streifen und beobachten, so dass von ein- und derselben Situation die unterschiedlichsten Versionen kursieren. Für Charlotte Brombach ist das ein ungemein spannendes Verfahren, mit dem Strubel ganz knappe Dialoge, kleine Ausschnitte, präzise gefasste Szenen montiert. Brombach sieht die 27-jährige Autorin, die mit "Unter Schnee" ihren zweiten Roman vorlegt, mehr als bloß Puzzleteile zusammenfügen. Diese lasse die kurzen Episoden vielmehr so raffiniert ineinander übergehen, dass wirklich ein "vieldimensionales Bild" dieser Liebesbeziehung entsteht, schreibt Brombach begeistert. Und im übrigen auch das Stimmungsbild eines postsozialistischen Dorfes.
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